Stress mit dem Ex – Wenn nach der Trennung nur noch die Fetzen fliegen

Folgender Hilferuf hat mich erreicht: „Am liebsten würde ich die Wände hochgehen. Mein Ex kommt seit der verlorenen Sorgerechtsklage – die sein Ego zutiefst verletzt hat – mit immer irrwitzigeren Geschichten, Vorstellungen und Erwartungen. Ich weiß schon nicht mehr was ich ihm überhaupt noch antworten soll. Ich mag gar nicht mehr mit ihm in Kontakt treten, weil ich abwechselnd schreien, heulen oder mich totlachen möchte. Auch den Kindern gegenüber sind seine Kommunikation und sein Umgang gerade sehr schwierig. Sie neigen dazu, nicht mehr zu ihm gehen zu wollen, weil Papa sie mit Vorwürfen und „Schlechtreden“ überhäuft. Wie geht man damit um? Wie schaffe ich es wieder „neutral/erwachsen“ mit ihm zu kommunizieren?“

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Wenn Macht in Ohnmacht mündet

Was Jana (der Name wurde zum Schutz der Privatsphäre geändert) hier gut erkannt hat, ist, dass sein Ego auf die verlorene Klage reagiert. Ihm wurden nicht das alleinige Sorgerecht und die Obhut seiner Kinder zugesprochen. Er hat seine Macht verloren und ist vielleicht vom Zustand der Macht in die Ohnmacht gestürzt. Sein Verhalten könnte außerdem darauf hindeuten, dass er immer noch an Jana klebt, obwohl er bereits mit seiner neuen Partnerin und deren gemeinsames Kind zusammenlebt. Vielleicht bildet diese neue Partnerschaft auch eine Allianz gegen Jana. Zu zweit kämpft es sich eben besser als allein, aber am Ende verliert nicht selten das frisch gebackene Paar. Kleine Randbemerkung: Junge Patchworkpaare, die zu mir kommen und deren größtes Problem der oder die Ex sind, frage ich gerne welche Gesprächsthemen und Gemeinsamkeiten übrig bleiben, wenn sich das Problem mit der Ex auflöst. Was bleibt übrig in der Partnerschaft? Eine Frage, die sich Paare stellen sollten, wenn sich alle Gespräche nur um die Fehler der Expartner drehen.

Also, es scheint so, als hätte sich Janas Expartner noch nicht vollständig von ihr gelöst, denn seit der Trennung gibt er kaum Ruhe. Nach meinen Erfahrungen sind es zwei Gruppen von Menschen, die nach der Trennung keine Ruhe geben: Diejenigen, die stark vom Partner abhängig waren. Diese Gruppe hat die Trennung kalt erwischt, ihnen wurde quasi der Nährboden unter den Füßen weggezogen. Die andere Gruppe sind Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Menschen die nach Anerkennung und Bewunderung gieren, die mit Kränkungen und Kritik nicht umgehen können.

Nun will ich nicht sagen, dass Janas Exmann zu einer dieser beiden Gruppen gehört. Es gibt ja mannigfaltige Mischformen und Motive einem anderen Menschen das Leben schwer zu machen, aber Anteile davon spielen hier sicher eine Rolle. Mit beiden Gruppen zu kooperieren ist eine echte Herausforderung. Den Wunsch nach einem völligen Kontaktabbruch kann ich vollkommen nachvollziehen. Das rate ich jedem, der keine Kinder mit dem Expartner hat. Doch hier gibt es Kinder und für die ist jede Form der Eskalation nur schwer zu ertragen.

Eine Zumutung für Kinder

„Zusehen zu müssen, wie ihre geliebten Eltern streiten, ist für Kinder nach der Trennung schlimmer als vor der Trennung“, stellt Mavis E. Hetherington in ihrer langjährigen Scheidungsstudie fest. Eine Trennung ist für Kinder immer eine Zumutung. Doch keine Sorge, Kinder halten mehr aus, als wir glauben. Auch das geht aus Hetheringtons Studie hervor: Der größte Teil, ca. drei Viertel der Kinder, haben langfristig betrachtet nicht mehr oder weniger psychische, soziale oder gesundheitliche Probleme als Kinder aus „intakten“ Familien. Wir dürfen unseren Kindern also ruhig etwas zumuten. In dem Wort „zumuten“ versteckt sich der Zauber des Mutes. Wir sprechen unseren Kindern also Mut zu, wenn wir ihnen etwas zumuten. Wir trauen ihnen etwas zu und setzen unser Vertrauen in ihre Fähigkeiten und autonomen Widerstandskräfte. Macht dir nicht allzu große Sorgen um deine Kinder. Solange du sie achtsam und aufmerksam begleitest, ihnen Unterstützung zuteilwerden lässt –  in welcher Form auch immer –  werden sie diese Phase gut überstehen. Der wirkungsvollste Schutz für Kinder gegen den Scheidungsstress sind kompetente Eltern, und notfalls genügt auch ein kompetentes Elternteil oder die Großmutter, der Klassenlehrer … der sich dem Kind annimmt.

Wie gehe ich nun mit so einem Exmann um?

Die Lösung für dein Problem kenne ich nicht, liebe Jana. Die kennt kein Berater oder Therapeut. Die Lösung kennt nur deine Seele. Ob du es nun glaubst oder nicht, die Antwort des Problems trägst du bereits in dir. Und wenn es nur der nächste Schritt ist, den du gehen musst, der dich auf den Weg zur Lösung führt. Vertraue darauf.

Möglicherweise findet deine Seele gerade kein Gehör. Du nimmst ihre Stimme nicht wahr, weil dein Ego lauter ist und heftig auf das reagiert, was dein Ex dir gerade darbietet. Es möchte schreien, heulen oder sich einfach nur totlachen. In solchen Situationen, in denen wir voller Emotionen und wildem Geplapper im Kopf sind, sollten wir jede Reaktion vermeiden. Mir persönlich helfen dann nur meine Joggingschuhe. Meine Kampfhormone bleiben so auf der Strecke. Anschließend suche ich die Stille um mich herum, um vor allem das Geplapper in meinem Kopf auszuschalten oder zumindest leiser zu drehen. Stille – finde ich am besten in der Natur, wenn ich mich auf das Rauschen des Windes in den Baumkronen konzentriere, auf den Gesang der Vögel oder das Plätschern des Baches. Ich beobachte die Wolken oder Rehe, die an der Waldkante äsen. Versuche deine Konzentration auf das zu lenken, was dich in der Natur umgibt. Irgendwann nimmst du bewusst wahr, dass das Geplapper im Kopf still geworden ist. In dieser Stille findest du Frieden. In dieser Stille öffnet sich eine Art innerer Raum und in diesem Raum findest du die Antwort auf deine Probleme. Möglicherweise in Sätzen wie diesen: Bleib ruhig. Entspanne dich. Nimm an was ist. Kämpfe nicht dagegen.

Oder die Stimme deiner Seele rät dir dich vorerst zurückzuziehen und den Kontakt auf das Nötigste zu beschränken, vielleicht sogar nur schriftlich per E-Mail, um für dich Klarheit und Kraft zu gewinnen. Vielleicht spürst du auch den Wunsch einen Schritt auf ihn zuzumachen und ihn zu fragen was das Problem hinter dem Problem ist.  „ Hilf mir bitte, dich zu verstehen. Ich kapiere es gerade nicht.“, möchte deine Seele deinen Expartner fragen. Vielleicht möchtest du ihm ein gemeinsames Mediationsgespräch anbieten. Doch dafür muss dein Ego zurücktreten. Wie du siehst, hast du verschiedene Möglichkeiten auf das Problem zu reagieren. Welche davon dir entspricht, weiß ich nicht, aber du weißt jetzt wie du die Antwort dazu findest.

Der Rat der alten weisen Frau

Eine andere Methode, die ich gerne nutze, ist, die weise uralte Frau in mir zu fragen. Sie frage ich immer, wenn ich den größtmöglichen Abstand zu meinem heutigen Problem brauche. Ich frage sie, was sie an meiner Stelle tun würde. Meistens lächelt sie gütig und sagt „Auch das geht vorbei.“

Meine liebe Großmutter sagte immer: „Es wird nie so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Und mein uralte weise Frau in mir fügt heute hinzu: das Essen kühlt von ganz alleine ab, du musst nur den Topf vom Herd nehmen. Würde ich dagegen die Kriegerin in mir fragen, erhielte ich eine ganz andere Antwort. Sie würde ich fragen, wenn ich in einem Gerichtssaal säße.

Das Ego zu kontrollieren, will gelernt sein. Es hat seine Berechtigung, schließlich möchte es uns schützen, doch es hält uns auch klein. Wo es sich auf der einen Seite gerne groß aufplustert und nach Bewunderung giert, schützt es auf der anderen Seite das verunsicherte Ich. Das Ego fragt gerne: „Warum passiert ausgerechnet mir das?“  Es liebt die Opferrolle, badet gern darin und ist eng mit unserem Schmerzkörper verbunden. Ich kenne Menschen, die lieben ihren Schmerzkörper und die Aufmerksamkeit darum mehr als ihre Freiheit und Autonomie. Du kennst sie auch. Diese Menschen nutzen jede Gelegenheit dir von ihrem Leid, ihren Krankheiten zu erzählen. Sie wissen genau wer Schuld hat oder Fehler macht.
Statt sich also zu fragen Warum passiert mir das? wäre die Frage Wozu passiert mir das? besser. Auch darauf weiß deine Seele eine Antwort.

Ich glaube nicht an Zufälle, auch nicht daran, dass uns etwas zufällig passiert. Ich glaube viel mehr daran, dass uns in diesem Augenblick genau das passiert, was wir brauchen, um zu wachsen, um zu lernen, um uns zu entwickeln. Sei es um die Hingabe an das Leben zu erfahren, mehr Gelassenheit zu entwickeln, die eigene Kraft wahrzunehmen und die Erkenntnis, dass wir es selbst in der Hand haben, wie wir uns jetzt in diesem Augenblick fühlen.

Abschließend möchte ich dir passend dazu ein Buch empfehlen, von Eckhart Tolle „Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung“. In diesem Buch erklärt er wunderbar, wie du dich von deinem Ego löst, ohne es zu verbannen.

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Alles Liebe für dich

Yvonne

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