Warum sich eine Jahresplanung für Patchworkfamilien lohnt

Ein Gastbeitrag von Thorsten Köcher

Brauchst du eine Jahresplanung?

Spoiler alert: Yes, you do!

Jahresplanungen hören sich zunächst nicht nach Spaß an. Sich mit Ex-Partnern auseinandersetzen und die vielen Wünsche aller Familienmitglieder unter einen Hut bringen liegt wahrscheinlich außerhalb deiner Komfortzone.

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Ja, eine Jahresplanung bedeutet ein wenig Arbeit und Kommunikation. Warum du trotzdem nicht darauf verzichten solltest?

  • Eine gute Jahresplanung schafft Verlässlichkeit und Stabilität für alle Beteiligten. Besonders die Kinder in deiner Familie werden davon profitieren, wenn schon im Januar feststeht, bei wem welche Feste und Geburtstage gefeiert werden und wann welcher Urlaub ansteht.
  • Konflikte mit deinem Ex-Partner über Umgangsregelungen oder wer wann ein kinderfreies Wochenende hat lassen sich verringern. Ihr könnt im Vorfeld strittige Themen klären, anstatt einen schwelenden Konflikt monatelang mitzuschleppen. Außerdem lässt sich in einer gemeinsamen Planung zum Jahresanfang besser abschätzen, wie fair ihr miteinander umgeht.
  • Das Chaos im Alltag, das in Familien ja eh besonders hoch ist (ich weiß, wovon ich rede 😉), lässt sich leichter kontrollieren, weil alle wichtigen Termine bereits feststehen. Sätze wie „das müssen wir erst noch klären“ oder „das steht noch nicht fest“, werden so deutlich weniger.

Also, los geht’s!

Stolpersteine

Damit dir eure Jahresplanung einen möglichst großen Nutzen bringt, solltest du noch ein paar Dinge beachten:

Perfektionismus

Eine Jahresplanung anzulegen heißt nicht, alles bis ins kleinste Detail zu planen. Es reicht, wenn die größten Events, wie Geburtstage, Reisen und Feste festgelegt werden.

Und natürlich ist eine Planung mit vielen Menschen auch immer ein Kompromiss und einiges bestimmt nicht so ideal wie du es dir wünschen würdest. Verabschiede ich also am besten gleich vom Perfektionismus, denn eine gemeinsame Jahresplanung lohnt sich trotzdem.

Zeit für dich

Du bist der wichtigste Mensch in deiner Familie! Wenn es dir nicht gut geht, geht es keinem Familienmitglied gut! Du solltest also nicht versäumen, ausreichend Zeit für dich einzufordern. Ganz egal ob das der Wellnessurlaub mit Freundinnen ist, die regelmäßige Zeit für Sport oder einfach nur Zeit, um sich auf die Couch zu legen und ein gutes Buch zu lesen. Lege schon jetzt Tage dafür fest. Sonst geht s garantiert unter!

Zeit für euch

Als Paar seid ihr die Energiequelle eurer Patchworkfamilie und der Garant für Stabilität. Zeit für euch als Paar sollte also eigentlich selbstverständlich sein, auch wenn es im Alltag oft so gar nicht danach aussieht. Nutzt die Chance, um Zeit für euch zu Planen und dass bitte nicht nur einmal im Jahr! Zeit für euch ist immer auch eine Botschaft an eure Kinder: „Wir kümmern uns um uns, unserer Beziehung ist stabil, wir als Familie sind es somit auch“. Viele kleine Termine für euch und somit viele solcher Botschaften sind deswegen sinnvoller als ein großer Paarurlaub einmal im Jahr.

Partizipation

Nutzt die Chance, dass sich eure Kinder selbstwirksam erleben können und lasst sie mitbestimmen. Natürlich bestimmt hier das Alter über den Umfang der Mitgestaltung. Eure Kinder bei eurer Planung mit ins Boot zu holen macht sie stark und lässt eher ein Wir-Gefühl entstehen, als eine Planung, die mehr oder weniger von den Erwachsenen gemacht wird.

Trennungsthemen

Trennungsthemen, die immer noch im Raum sind, kennt jeder Patchworker. Deine Tochter möchte doch lieber Weihnachten bei dir als bei ihrem Vater verbringen. Der Vater, dein Ex-Partner, explodiert, weil er das Gefühl hat, du hättest eure Tochter gegen ihn aufgebraucht. Die Stimmung kippt und das mühsame geplante Weihnachtsfest ist im Eimer.

Eine Jahresplanung ist DIE Gelegenheit solche Konflikte ein Stück weit vorweg zu nehmen und sich Lösungswege zu überlegen. Wie wollen wir – Eltern und Kind – mit so einer (oder anderen) Situationen umgehen? Was wäre für alle fair? Das bedeutet nicht, das die oben geschilderte Situation keine Wellen mehr schlägt, aber mit einer Lösungsidee auf allen Seiten doch bedeutend kleinere!

Andere Themen, die ihr in diesem Zusammenhang beleuchten könntet, wären z.B. ausgefallene Umgänge oder die gefühlte Unzuverlässigkeit deines Ex-Partners. Auch hier macht die Suche nach gemeinsamen Lösungen Sinn.

Mit manchen Ex-Partnern ist eine gute Kommunikation nicht möglich. Oft stehen Trennungsthemen und Verletzungen noch so im Vordergrund, dass so auch eine gemeinsame Jahresplanung kaum Sinn ergibt. Eine Einladung auszusprechen kann sich trotzdem lohnen und vi

elleicht ein erster Schritt aufeinander zu sein.

Gelegentlich ergibt es Sinn sich begleiten zu lassen. Zum Beispiel, wenn du dir mehr Sicherheit in der Kommunikation mit deinem Ex-Partner wünschst, oder du den Prozess gerne moderieren lassen würdest. Ein Familientherapeut, -coach oder -berater steht dir dabei gerne zur Seite.

Ganz konkret!

Eine Jahresplanung ist ein wenig wie Kekse backen, fangen wir also mit den Zutaten an:

Ihr braucht:

  • die Bereitschaft miteinander zu reden und dabei fair zu bleiben.
  • die Möglichkeit für jede Person Termine und Wünsche festzuhalten und diese mit anderen zu teilen.
  • einen Zeitplan für eure Planung selbst.

Und so geht ihr am besten vor:

Legt zunächst als Paar fest, wie ihr euch eine gemeinsame Jahresplanung vorstellen könnt. Danach redet ihr mit euren Kindern und Ex-Partnern. Hebt hervor, dass es euch um Verlässlichkeit, Stabilität und Fairness geht. Hier könnt ihr auch schon die Art und We

ise wie ihr Planen wollt, z.B. mit Onlinekalendern oder doch lieber auf Papier und einen Zeitrahmen festlegen. Entscheidet euch auch für einen Kommunikationsweg mit eurem Ex-Partner. Ist die Kommunikation eher schwierig, ist E-Mail eine gute Wahl.

Wenn alle im Boot sind, geht es los! Jeder, also auch jedes Kind bekommt einen Kalender und alle feststehenden Termine werden eingetragen, alles andere kommt mit so klaren Zeitvorstellungen wie möglich auf einen Wunschzettel. (Also nicht, ich will irgendwann mal einen Tag nur für mich, sondern, ich will im Februar oder März an einem Samstag oder Sonntag einen Tag nur für mich haben).

Legt einen Tag fest bis wann die Planung für jeden einzelnen feststehen soll. Auch eure Ex-Partner sollten bis dahin ihre Planung abgeschlossen haben.

Die Stunde der Wahrheit

Dann ist es soweit, alle Termine werden in eine große Übersicht geschrieben oder die Kalender online geteilt. Hier entscheidet ihr, welche Kalender ihr mit euren Ex-Partnern teilen wollt. Soll dein Ex-Partner von der Klassenfahrt deines Bonuskindes wissen oder ist das für seine Planung nicht relevant?

Mit den geteilten Kalendern / der großen Jahresübersicht werden Lücken und Überschneidungen sichtbar. Und damit seid ihr beim nächsten Schritt.

Das große Ausverhandeln

Am besten legt ihr auch hierfür im Vorfeld einen Termin mit allen Beteiligten fest. Ein zeitlicher Abstand zwischen „Terminüberschneidungen erkennen“ und „Alternative aushandeln“ nimmt dem Prozess die Schärfe und eventueller Ärger über empfundene Benachteiligungen kann sich legen.

Im Gespräch miteinander sollte es so fair wie irgend möglich zugehen. Jeder sollte

  • die eigenen Wünsche klar formulieren dürfen, ohne dafür angegriffen zu werden.
  • Fairness zeigen und erwarten können.
  • sich bewusst sein, dass es keine Gewinner oder Verlierer gibt.
  • Kompromisse formulieren, annehmen und ablehnen dürfen.

Da dieser Prozess meist am längsten braucht, macht es Sinn nach jedem Termin oder Kontakt einen Folgetermin zu vereinbaren bis die Jahresplanung für alle akzeptabel ist.

Geschafft!

Wenn du zum ersten Mal eine Jahresplanung als Patchwork-Mama oder-Papa angehst, ist das oft wie ein Sprung ins kalte Wasser! Aber ein Sprung der sich wirklich lohnt! Trau Dich!

Frohe Weihnachten und einen großartigen Start ins neue Jahr

wünscht dir

Dein Thorsten

 

Mehr Informationen über Thorsten Köcher und seine Arbeit findest du hier: www.thorsten-koecher.de

https://www.facebook.com/Thorsten.Koecher

https://www.instagram.com/thorstenkoecher/

nachricht@thorsten-koecher.de

Bild von StartupStockPhotos auf Pixabay

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