Typische Probleme Patchworkfamilie

Typische Probleme in einer Patchworkfamilie

Was sind typische Probleme in einer Patchworkfamilie? Welche Probleme treten in welcher Familien-Konstellation auf? Wer sie kennt, kann sie schneller lösen.

Im Beitrag „Was ist eine Patchworkfamilie“ habe ich erklärt, welche unterschiedlichen Patchworkfamilien-Konstellationen es gibt. Schau dir den diesen Beitrag an, wenn du wissen willst, in welcher Patchwork-Konstellation du lebst.

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Typische Probleme in der „Einfachen Patchworkfamilie“

In dieser Konstellation finden sich zwei Menschen als Paar zusammen und einer hat mindestens ein Kind aus einer vorherigen Beziehung. In meinem Beispiel bringt Katharina bereits zwei Kinder mit in die Beziehung. Michael hat keine Kinder. Katharinas heimlicher Wunsch ist, dass Michael ihre Söhne irgendwann genauso liebt wie sie es tut. Oft steckt dahinter auch die Sehnsucht nach dem Bild einer heilen Kernfamilie. Hier ist es sehr hilfreich, wenn Katharina ihre Beweggründe hinter dem Idealbild Familie erforscht und sich bewusst macht (siehe auch hier: LINK).

Die Sehnsucht nach der heilen Familie

Wenn Katharina dieser Sehnsucht folgt, setzt sie Michael und die Kinder damit unter Liebesdruck und gibt ihnen nicht die Chance, langsam zusammenzuwachsen. Katharina möchte alle zufriedenstellen und versucht allen gleichermaßen genügend Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken. Sie beobachtet Michael und die Kinder genau, um bei Unstimmigkeiten rechtzeitig eingreifen zu können. Im Zweifel stellt sich Katharina wie eine Löwenmutter vor ihre Jungs und verteidigt sie, vor den vermeintlichen Angriffen ihres Partners.

Rückzug des Partners

Michael zieht sich infolgedessen immer öfter zurück, wenn Katharina mit den Jungs zusammen ist. Sie vermutet, dass er ihre Kinder nicht mag und beginnt an seiner Liebe zu zweifeln. Für Katharina ist es wichtig zu lernen, zwischen der Liebe zum Partner und der Liebe zu den Kindern zu unterscheiden.

Wenn Michael auf sein Recht nach körperlicher Nähe und gemeinsamer Zeit pocht, begibt er sich in einen Konkurrenzkampf mit den Kindern um Katharinas Liebe und Aufmerksamkeit. Katharina hat das Gefühl, sie sitzt zwischen den Stühlen und muss abwägen und ausgleichen, was dauerhaft sehr anstrengend ist. Sowohl Michael als auch den Kindern sollte sie deutlich machen, dass sie nicht gleichzeitig für alle da sein kann.

Eine bittere Pille für den neuen Partner

Michael muss akzeptieren, dass an Katharina ein Verzicht dranhängt. Sie gehört ihm nicht allein. Er muss sich bewusst sein, dass er auf gemeinsame Zeit, körperliche Nähe und Geld verzichten muss, weil davon etwas in das erste Familiensystem abfließt.

Vom Singlehaushalt ins Patchworkfamilien-Leben

Für Micheal ist die Umstellung in dieser Konstellation größer, wenn er von einem Single-Haushalt in einen 4-Personen-Haushalt wechselt. Seine alten, lieb gewordenen Gewohnheiten – morgens aufstehen, in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken und gemütlich Zeitung lesen – sind in der neuen Konstellation nicht möglich, weil die Kids sich fertig für die Schule und Kita machen. Seine Partnerin läuft vor allem morgens auf Hochtouren. Einerseits möchte er sie unterstützten, andererseits aber auch für sein Bedürfnis sorgen.

Er fragt sich zunehmend, wie viel Verantwortung er für die Kinder tragen soll und fühlt sich vielleicht von Katharina in die Rolle des Ersatzvaters gedrängt. Darf er miterziehen oder nicht? Lies dazu meinen Beitrag „Darf ich mein Bonuskind erziehen?“.

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Typische Probleme in der „Zusammengesetzten Patchworkfamilie“

Von einer zusammengesetzten Familie sprechen wir, wenn sowohl Katharina als auch Michael Kinder aus einer vorherigen Beziehung mitbringen.

Selbst wenn wir die gleiche Sprache sprechen und im selben Kulturkreis sozialisiert wurden, so ist die Verbindung zweier Familien ein nicht zu unterschätzendes Integrationsprojekt.

Zwei Familien – zwei Traditionen

Jede Familie hat seine eigenen Routinen und Marotten entwickelt. Ein Beispiel: In meiner Familie durften die Kinder im Schlafanzug am Tisch sitzen, sie durften herumlümmeln, denn: Wo sonst, wenn nicht zu Hause, dürfen sie das tun? Mein Großer durfte morgens auch mit seinem MP3-Player und Kopfhörern am Tisch sitzen, weil er morgens nicht gerne spricht und nicht das ununterbrochene Geplapper seiner Schwester hören möchte.

In der Familie meines Partners hingegen saßen alle angezogen am Tisch. Die Knie mussten unten bleiben und Herumlümmeln oder gar mit dem Handy am Tisch sitzen wurde nicht geduldet, denn: Wenn sie nicht zu Hause lernen, sich anständig zu benehmen und miteinander zu reden, dann lernen sie es nirgendwo.

Das ist nur ein Beispiel von ganz vielen. Wir unterschieden uns außerdem in unseren Ritualen und Erziehungsstilen. Mit der Zeit konnten wir uns in einigen Punkten angleichen, jedoch nicht in allen. So haben wir beispielsweise beschlossen, dass die Erziehung der Kinder in den Händen der leiblichen Eltern bleibt und jeder so erzieht, wie er es für richtig hält.

Rechthaberei und Machtkämpfe

In meinem Beispiel stehen sich zwei Argumente, zwei Gewohnheiten in der neuen Patchworkfamilie gegenüber. Man könnte auch sagen: zwei Mannschaften aus Eltern und ihren jeweiligen Kindern treten gegeneinander an. Das kann zu heftigen Paarproblemen und erbitterten Kämpfen führen.

Machtkämpfe können vorgebeugt werden, wenn man das Zusammenleben sehr langsam und mit Bedacht gestaltet. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, das vorher auszuprobieren.

Um Konflikte zu lösen und Kompromisse zu finden, wurde bei uns das „Family-Meeting“ ins Leben gerufen. Immer wenn es etwas Wichtiges zu besprechen gibt, sitzen wir um unseren großen Küchentisch herum und diskutieren. Auch dafür gibt es Regeln. Jeder darf ausreden, niemand wird angegriffen oder beleidigt. Wir hören zu und ziehen das Gesagte nicht ins Lächerliche.

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Typische Probleme in der „Komplexen Patchworkfamilie“

In dieser Konstellation haben Katharina und Michael zusätzlich zu ihren eigenen Kindern noch mindestens ein gemeinsames Kind. Man nennt es auch Kitt-Kind, weil es zwei Familienstränge verbindet.

Das Kitt-Kind bekommt unbewusst nicht selten den Auftrag, beide Familienseiten zu einer „richtigen“ Familie zu vereinen und die Beziehung des Paares zu festigen. Kurzfristig mag das gelingen, aber langfristig bedeutet ein weiteres Kind mehr Anforderungen an das Paar.

Wer gut organisiert hat Stress minimiert

Um allen Kindern gerecht zu werden, braucht es eine gute Organisation und auch Unterstützung im Alltag. Wenn die Eltern mit dem Baby beschäftigt, kümmern sich vielleicht die Großeltern vermehrt um die älteren Geschwister. Denn für die Kinder bedeutet ein weiteres Geschwisterchen ein Verzicht an Aufmerksamkeit und Nähe der Eltern. Das ist nicht nur in Patchworkfamilien so, das finden wir auch in Kernfamilien. Doch in Patchworkfamilien tritt dieses Problem potenziert auf, weil zum Baby eben auch ein Stiefelternteil und Stiefgeschwister dazugekommen sind.

Ein Geschwisterchen kann aber auch bedeuten, dass man nun mit den Stiefgeschwistern etwas gemeinsam hat. Es besteht also tatsächlich die Chance, als neue Familie zusammenzuwachsen.

Exklusive Zeit schenken

Allen Kindern gerecht werden, sich als Paar genügend Raum zu schenken und die eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen – das ist eine echte Mamut-Aufgabe.

Konflikte um Aufmerksamkeit lassen sich im Alltag entschärfen, indem die Eltern die Beziehungen zu allen Kindern einzeln pflegen und sich bewusst Zeit für sie nehmen. Jedes Kind sollte exklusive Zeit mit Mama/Papa allein verbringen dürfen. Eine Zeit, die die Eltern ganz bewusst und aufmerksam mit dem Kind verbringen, ohne mal eben auf dem Handy die Nachrichten kurz zu checken oder nebenbei die Spülmaschine auszuräumen.

Und ganz wichtig: Die beiden wichtigsten Säulen für eine gesunde Patchworkfamilie sind Du und dein Partner. Wenn es euch beiden gut geht, geht es dem Rest gleich viel besser. Es ist wichtig, dass ihr auf euch achtet. Ihr seid die Basis, das Fundament eurer Familie. Wenn ihr euch nicht genug Zeit, Raum und Liebe schenkt, hält das Fundament nicht stand. Schenkt euch Zeit und pflegt eure Beziehung. Dafür solltet ihr so viele Ressourcen wie möglich mobilisieren, dann gelingt auch das Patchworkfamilien-Leben.

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