Mutter vs. Stiefmutter: Wem gehört der Muttertag?

Stiefmütter werden am Muttertag stiefmütterlich behandelt. Der Muttertag kann für sie tief verletzende Gefühle wachrufen, weil  sie im Gegensatz zur Mutter keine Anerkennung erfahren.

Muttertag steht vor der Tür. Vor meinem inneren Auge sehe ich Kinder, die konzentriert basteln und malen, um der Mama eine Freude zu bereiten. Ich sehe glückliche Mütter und leider sehr viele traurige Bonusmütter. Wem gehört der Muttertag? Der Mutter natürlich, wirst du vermutlich denken. Gehört er in deinem Verständnis auch der Stiefmutter?

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Keine Anerkennung für Stiefmütter am Muttertag

Für viele Stiefmütter kann der Muttertag tief verletzende Gefühle auslösen, da er sie daran erinnert, dass sie, obwohl sie wie die Mutter sich um die Kinder kümmern, mitunter sogar mehr Aufgaben übernehmen als diese selbst, keine Anerkennung erfahren.

Ich lese auf Instagram von Bonusmüttern, die mit den Kindern für die Mama zum Muttertag etwas basteln oder Blumen kaufen. Ich lese von Väter, die die Exfrau anrufen, um ihr zu gratulieren, aber niemand auch nur einen Gedanken an die Bonusmutter verschwendet. Das ist bitter und traurig.

Für manche leibliche Mutter hingegen geht der Gedanke, dass die Stiefmutter meint, sie sollte an diesem Tag mit einbezogen werden, einen Schritt zu weit und weckt Konkurrenzgefühle.

Egal ob leibliche Mama oder Bonusmama: Es ist ein harter Kampf, für all die Dinge anerkannt zu werden, die sie jede Woche für ihre Familien tun. Kleinigkeiten, die kaum bemerkt werden. Unzählige Gegenstände, die an ihren richtigen Platz zurückgebracht werden. Brote, die zum Frühstück geschmiert werden. Sie trösten, trocknen Tränen, waschen Wäsche, kochen das Abendessen…

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Ein gesellschaftliches Armutszeugnis

Stiefmütter werden am Muttertag stiefmütterlich behandelt – und Stiefväter am Vatertag übrigens auch. Wenn man bedenkt, dass in der Nachbarschaft mindestens genauso viele Patchworkfamilien wie Kernfamilien leben, ist das ein gesellschaftliches Armutszeugnis. Unsere Gesellschaft spiegelt uns blind zurück, was in vielen Patchworkfamilien bereits stattfindet: Die Stiefmutter fühlt sich oft als Außenseiterin in ihrer eigenen Familie, obwohl von ihr erwartet wird, nahtlos in die Rolle der mütterlichen Versorgerin zu schlüpfen. Wenn du eine Karte zum Muttertag für deine Mutter und für deine Stiefmutter kaufen möchtest, wirst du für letztere keine im Kartenständer finden.

Wir leben in einer Welt, in der es viele Scheidungen und neue Familienkonstellationen gibt. Es ist also höchste Zeit, dass wir anerkennen, dass es zwei Frauen und zwei Männer gibt, die sich um unsere Kinder kümmern, und jeder sollte gebührend gefeiert werden.

Was kannst du als Bonusmama tun, um diesen Tag für dich leichter zu machen?

Für Bonusmütter:

Mach dir den Muttertag zu Eigen: Teile deiner Familie mit, dass du dir an diesem Tag frei nimmst. Frei von allen häuslichen Pflichten, die du das ganze Jahr über machst und dich am Muttertag ausschließlich um deine Bedürfnisse kümmerst.

Feier dich: für deine Großherzigkeit und Fürsorglichkeit Kindern gegenüber, die du nicht geboren hast. Feier dich für jeden Beitrag und alles, was du in deine Patchworkfamilie einbringst.

Beschenke dich selbst: Kaufe dir zur Feier des Tages etwas, das du dir schon lange wünschst, aber immer verkniffen hast. Hey, du hast es mehr als verdient. Sage deiner Familie, dass sie sich finanziell am Geschenk beteiligen dürfen. Zugegeben, das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl, aber manche Menschen brauchen solche Zeichen.

Schick der leiblichen Mutter eine Karte: Wenn du der Meinung bist, dass die Mutter deiner Bonuskinder großartige Kinder großzieht, kannst du ihr eine Karte oder eine E-Mail schicken, in der du ihr das sagst, was du wirklich zu schätzen weißt. Bedanke dich bei ihr dafür, dass sie dich in der Familie willkommen geheißen hat (sofern sie das auch tatsächlich getan hat) und drücke aus, wie gern du ein Teil vom Ganzen bist.

Ein Kind hat nicht die Reife eines Erwachsenen: Kinder werden häufig von Loyalitätskonflikten gegenüber ihrer leiblichen Mutter gequält. Vor allem, wenn die Mutter und Bonusmutter sich nicht gut miteinander verstehen oder die leibliche Mutter die Bonusmutter vehement ablehnt.

Für leibliche Mütter:

Halte deine Erwartungen im Zaum: Sind deine Kinder noch sehr jung? Bist du alleinerziehend und betreust die Kinder selbst oder ist dein Partner nicht der Beste darin, wenn es darum geht, die Initiative zu ergreifen und den Kindern zu helfen, etwas Schönes für den Muttertag vorzubereiten? Mach dir wie mein erster Rat an die Bonusmütter, den Tag zu Eigen.

Schicke der Bonusmutter deiner Kinder eine Karte: Selbst wenn du hin und wieder mit ihr auf Kriegsfuß stehst, wenn du siehst, dass sie sich einbringt, genauso wie du das Beste für die Kinder möchte, sich kümmert, die Kinder von der Schule abholt, kocht, die Hausaufgaben mit ihnen macht usw. – bedanke dich bei ihr dafür. Das alles ist nicht selbstverständlich. Ich sage das nicht ausschließlich aus der Rolle der Bonusmutter heraus. Auch meine Kinder haben eine Bonusmutter, die ein fester und sehr wichtiger Bestandteil unserer Familie ist. Allein ihr Dasein ist für uns alle ein Segen.

Für alle Mütter:

Bedenke: ein Geschenk zu erhalten aufgrund einer Erwartung ist kein wirkliches Geschenk sondern eine Pflichterfüllung. Echte Geschenke werden aus freien Stücken und mit vollem Herzen geschenkt.

Geh mit gutem Beispiel voran: Nächste Woche ist Vatertag. Lasst uns die Väter feiern.
Wenn dein Partner ein Bonusvater ist, gebührt ihm die gleiche Anerkennung, die du dir von deiner Familie wünschst. Zeige ihm, wie sehr du seine Beiträge für die Familie schätzt und wie dankbar du dafür bist.

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Stiefmuttertag – und es gibt ihn doch

Nur leider nicht hierzulande sondern in den USA. Zugegeben: auch dort wird er eher stiefmütterlich behandelt und ist nicht jedem bekannt.

Lizzie Capuzzi, ein Mädchen aus Pennsylvania, war 9 Jahre alt, als sie beschlossen hatte den Sonntag nach Muttertag zum Stiefmuttertag zu erklären. Sie liebte ihre Stiefmutter Joyce so sehr, dass sie ihr einen Tag zu Ehren schenken wollte. Um diesen Tag weiter zu verbreiten, schickten Lizzie und Joyce einen Brief an Senator Rick Santorum, der die Idee einer solchen Feier im Senat befürwortete. Es gelang ihm, Unterstützung für die Anerkennung eines solchen Tages zu sammeln. Diese Tatsache wurde im Congressional Record veröffentlicht. Seit dem Jahr 2000 feiern Menschen den Stepmom’s Day.

Dieser Tag sollte weltweit anerkannt und gefeiert werden. Wenn wir in einer gesunden, offenherzigen und toleranten Gesellschaft gedeihen wollen, müssen wir uns alle auf diese veränderten Familienkonstellationen einstellen. Sowohl Mütter als auch Bonusmütter, Väter und Bonusväter verdienen es, für ihre Beiträge und alles, was sie in ihre Familien einbringen, voll und ganz wertgeschätzt zu werden.

In diesem Sinne: ein Hoch auf uns Mütter und Väter – egal ob Bonus-, Stief- oder Großeltern.

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Bilder von Pixabay (links: ©OmarMedinaFilms,; rechts: ©Enrique Meseguer)

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