Mit der Patchworkfamilie auf Tour

Als Patchworkfamilie einen gemeinsamen Urlaub zu planen ist einerseits aufregend und andererseits eine Herausforderung. Jedes Familienmitglied hat so seine eigenen Vorstellungen von einem gelungenen Urlaub. Der eine will am liebsten die gesamte Zeit am Meer verbringen, die andere viel shoppen gehen, wir Eltern würden gerne fremde Kulturen kennenlernen und wandern, der nächste in ein 5-Sterne-Hotel, die andere lieber Couchsurfing …

Wünsche über Wünsche und wir Eltern stehen vor der großen Herausforderung, so viele Bedürfnisse und Wünsche wie nur möglich zu erfüllen, ohne uns zu verbiegen und unser Kostenbudget zu sprengen.

In unserer Patchworkfamilie waren sich zumindest alle in einem Punkt einig: Es sollte warm und abwechslungsreich sein. Wir entschieden uns für Sri Lanka. Die Menschen sind freundlich, die Vegetation ist üppig, die Strände traumhaft schön, das Hochland ist satt grün und lädt zum Wandern ein. Um so ein fernes Land ausgiebig zu erkunden, nahmen wir uns Zeit. Wir waren 4 Wochen unterwegs. Es ist ein vielfältiges Land, aufregend, fremd und sehr familienfreundlich. Wir entschieden uns für eine selbst organisierte Rucksack-Rundreise. Dazwischen gab es immer wieder Tage, an denen wir uns am Strand ausruhten und planlos in den Tag hinein lebten. So eine Rundreise soll ja nicht in Stress ausarten. Lieber verzichteten wir auf das eine oder andere Highlight, dafür nahmen wir uns Zeit, das Leben so richtig zu genießen.

Selbstregulierende Beziehungen und Bedürfnisse

Spannend zu beobachten war, dass sich unsere Kinder im Urlaub neu zusammenfanden. Oftmals sind es die leiblichen Geschwister, die sich untereinander mehr streiten als mit den Bonusgeschwistern. Je mehr Kinder in einer Familie zusammenkommen, umso besser scheinen sie sich zu regulieren. Hat man beispielsweise Stress mit der eigenen Schwester, dem eigenen Bruder, wählt man eben seine Bonusschwester oder den Bonusbruder als Bettnachbarn. Und es findet sich immer jemand, mit dem man zusammen schwimmen, surfen, einkaufen oder spazieren gehen kann.

Viel Freiraum = weniger Stress

Wichtig für uns war die Erkenntnis, dass es besser ist, den Kindern die Freiheit zu lassen, welche Aktivitäten sie mit uns gemeinsam erleben möchten und an welchen sie lieber nicht teilnehmen möchten. Niemand hat etwas davon, wenn Kinder wandern müssen und dann die gesamte Strecke herumnörgeln. Auch unsere großen Kinder hatten teilweise andere Interessen als wir Eltern oder die kleinen Geschwisterkinder. Für sie war es sehr erleichternd, als wir ihnen sagten, dass sie nicht den ganzen Tag mit uns verbringen müssen und auch ihre eigenen Aktivitäten planen dürfen. So hatten sie die Freiheit, tauchen, surfen oder auf Strandpartys zu gehen. Uns war nur wichtig, dass sie sich bei uns abmelden, wir wissen, wo sie sind, und sie telefonisch erreichbar bleiben.

Streit im Urlaubsparadies

Doch trotz der größtmöglichen Freiheiten bleibt auch eine Fernreise nicht konfliktfrei. Gerade weil man viel zusammen ist, können lange verschwiegene Konflikte an die Oberfläche kommen. Natürlich wünscht man sich einen friedlichen und harmonischen Familienurlaub. Erst recht, wenn es der Jahresurlaub ist, auf den man sich lange gefreut und auch hingearbeitet hat. Konflikte im Urlaub sind zwar erstmal unangenehm und man ist bemüht, die Harmonie so schnell wie möglich wieder herzustellen, man kann sie aber auch als Chance betrachten. Schließlich hat man hier und jetzt genügend Zeit, sich diese Konflikte anzusehen, lange darüber zu sprechen und sie schließlich zu klären. Wichtig bei der Klärung ist mir die Form der gewaltfreien Kommunikation, die nicht darauf abzielt, andere fertigzumachen oder anzugreifen. Jeder Angriff erzeugt Widerstand und blockiert den Weg zu einer gemeinsamen Lösung.

Ein lang verschwiegenes und dann gelöstes Problem kann sehr heilsam auf alle Familienmitglieder wirken. Die Stimmung ist danach umso besser und wer weiß, vielleicht lassen sich andere Familienmitglieder davon anstecken und zeigen ebenfalls ihre Themen, die lange unterdrückt wurden. Wichtig ist nur, dass keiner das Gefühl bekommt, sein Anliegen sei nicht wichtig oder gar lächerlich. Jeder möchte gesehen und wertgeschätzt werden. Wer diese Haltung lebt, dem gelingt es auch, gute Beziehungen aufzubauen und ein harmonisches Umfeld für alle Beteiligten zu schaffen, in dem jeder sich so zeigen darf, wie er eben ist.

Als Patchworkeltern haben wir die Möglichkeit, einen friedvollen Raum zu schaffen. Wir können spannende Unternehmungen planen, die tolle Erinnerungen schaffen und uns als Familie zusammenschweißen. Ich bin sicher, dass jedes Familienmitglied ebenfalls in Harmonie leben möchte und dankbar ist für jedes Abenteuer und Erlebnis, welches Herzen verbindet.

Ich wünsche euch schöne, erlebnisreiche und verbindende Ferien.

 

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2 Kommentare

  • Liebe Yvonne,

    vielen Dank für diesen Beitrag! Bei mir steht demnächst auch wieder ein Urlaub mit meinem Freund und seinen zwei Kindern an (10 und 14) und es gibt eine Sache, die mir etwas Bauchschmerzen bereitet – das leidige Thema der Kostenteilung. Mein Freund und ich sind jetzt 1 Jahr und 4 Monate ein Paar, wohnen noch nicht zusammen und er hat die Hälfte der Zeit seine Kinder bei sich. Wir waren letztes Jahr schon zu viert im Urlaub und da gab es einige Situationen, die schwer auszuhalten waren für mich. Abgesehen von der Tatsache, dass ich ihn im Urlaub teilen muss und meine Bedürfnisse runterschrauben muss, stelle ich mir immer wieder die Frage, wer was zahlt, wenn die Kinder dabei sind. Wir teilen uns die Kosten der Unterkunft und ich zahle den Kindern natürlich auch mal ein Eis, aber beim letzten Urlaub war es so, dass ich auch mal den Großeinkauf im Supermarkt bezahlt habe, obwohl der meiste Teil für die Kinder war. Zusätzlich habe ich meinem Freund auch noch die Hälfte der Benzinkosten gezahlt. Wenn wir zu viert essen gehen, zahle ich auch meistens die Hälfte. Ich finde das ehrlich gesagt etwas unfair, da es nicht meine Kinder sind. Anderseits möchte ich aber auch nicht kleinlich sein und nur meinen Anteil bei Unternehmungen etc. zahlen. Ich finde, ich bin recht großzügig, aber mich macht es immer wieder wütend, dass mein Freund mir unterstellt, geizig zu sein bzw. so viel Wirbel um das Thema Geld zu machen. Für mich ist das eben eine neue Situation als Stiefmutter und ich weiß manchmal nicht, was richtig und was falsch ist.
    Ich würde mich über einen Rat/Erfahrungsaustausch mit anderen Stiefmüttern sehr freuen!

    Viele Grüße
    Judith

    • Liebe Judith,
      das Thema Geld ist ein sehr sensibles Thema. Gerade am Anfang der Beziehung neigen wir Frauen dazu, viel zu investierten, eben auch finanziell 😉
      Lass deinen Partner an deinen Bedenken teilhaben. Ihr solltet unbedingt darüber vorher sprechen und nicht erst im Urlaub.
      Wichtig für deinen Partner zu erkennen ist, dass er die Verantwortung zu 100% der Kinder übernimmt, auch finanziell.
      So wie du deine Situation geschildert hast, fände ich es nur fair, wenn du 1/4 der Urlaubskasse übernimmst.
      Natürlich lässt sich nicht alles haargenau auseinanderdividieren – sollte es auch nicht, sonst verdirbt man sich den Spaß im Urlaub – aber es könnte als grobe Richtlinie dienen.
      Wir sind eine 7-köpfige Patchworkfamilie. Mein Partner hat 3 Kinder mitgebracht, ich zwei. Wenn wir im Urlaub sind, zahlt er 4/7 und ich zahle 3/7 der Kasse. Im letzten Urlaub haben wir sämtliche Belege aufgehoben und am Ende alles zusammengerechnet und entsprechend ausgeglichen.
      Ich hoffe, ich konnte dir damit etwas helfen.
      Auf Facebook habe ich für uns Patchworkmütter eine Gruppe gegründet: https://www.facebook.com/groups/1628534283867431/?source_id=1818535271800107
      Herzlichst alles Gute und einen wunderbaren Urlaub
      Yvonne

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