Heilsame Berührungen, auch für Pubertiere

Meine Kids können manchmal ziemliche Pubertiere sein, vor allem eine meiner Töchter. Sie läuft dann mit einem Gesicht herum, das dem einer Bulldogge sehr ähnlich ist. Auf Fragen von mir reagiert sie einsilbig, auf Bemerkungen ihrer Geschwister spitz. Wenn dann noch der Vater etwas sagt, verdreht sie die Augen, gibt zickige, genervte Antworten und der Krach ist vorprogrammiert.

Es gibt Tage, da kann ich wunderbar damit leben, wohlwissend, dass es nicht lange dauert und fröhlichere Tage folgen werden. Doch letztens dachte ich mir: Warum diesem kleinen Grummelkopf jetzt nicht mal eine wohltuende Massage schenken? „Was hältst du davon, wenn ich dich massiere?“, fragte ich sie. Sie schaute mich überrascht, aber auch skeptisch an. „Wieso willst du mich massieren?“ Ich antwortete: „Ich glaube, eine Massage könnte dir jetzt guttun. Vielleicht brauchst du ein paar Berührungen, die dich etwas besänftigen?“ Immer noch skeptisch entgegnete sie: „Na gut, wenn du mich anfassen möchtest, warum nicht?“

Ich baute unsere Massageliege auf, bereitete alles vor und nahm mir viel Zeit für sie. Während der ganzen Prozedur sagte sie kaum ein Wort. Anfangs lag sie noch etwas verkrampft auf der Liege, nach und nach wurde sie aber immer weicher und am Ende wäre sie fast eingeschlafen. Beim Abendessen saß sie sichtlich entspannt am Tisch, ohne viel zu sagen. Sie konnte sogar wieder lächeln und scherzen.

Für uns ist es selbstverständlich, dass wir stundenlang mit unserem Partner schmusen. Bei kleinen Kindern ist das auch noch selbstverständlich. Aber was, wenn sie größer werden? Ich beobachte tatsächlich viele Familien, in denen der körperliche Kontakt keine Selbstverständlichkeit ist, selbst dann nicht, wenn die Kinder noch klein sind. Dabei ist körperliche Zuwendung so wichtig, für jeden Menschen.

Auf unserem Hof werden jährlich Jungtiere geboren. Katzenbabys, Kaninchenbabys, Küken oder Lämmer. Und bei allen mache ich die gleiche Beobachtung: Sie kuscheln sich unentwegt eng aneinander. Bei Einzelkindern darf der körperliche Kontakt zur Mutter nicht fehlen. Auch wenn sie bereits ausgewachsen sind, suchen sie immer noch die körperliche Nähe zur Mutter, zu den Geschwistern, anderen Tieren oder ersatzweise zu uns Menschen hier auf dem Hof.

Doch wie verhält es sich mit unseren Kindern? Wie viel körperliche Nähe erhalten sie, vor allem, wenn sie älter werden? Wie oft sind wir bereit, mit unseren Kindern zu schmusen? Berührungen sind im Grunde nichts anderes als Kommunikation. Und dazu noch die erste, die wir in unserem Leben wahrnehmen. Nämlich als Säuglinge oder vielleicht sogar noch früher, im Mutterleib. Berührungen erzeugen Sicherheit. Darum ist es so wichtig, gerade in unsicheren Zeiten, mehr Berührungen zu verschenken. Das tut nicht nur dem Empfänger gut. Das sagt zumindest die Wissenschaft.

James Coan von der Universität von Virginia fand in einem Experiment heraus, dass Händchenhalten beruhigend wirkt.1)

Psychologen um Dacher Keltner von der Universität von Kalifornien in Berkeley fanden in einer aktuellen Studie heraus, dass offenbar ein Zusammenhang besteht zwischen dem Erfolg einer Sportmannschaft und der Frequenz, mit der sich die einzelnen Teammitglieder berühren.2)

Die US-Forscherin Tiffany Field tat 47 Frauen mit pränataler Depression im Rahmen einer Studie3) im Jahr 2007 einen besonderen Gefallen. Über mehrere Monate hinweg erhielten sie von ihrem Partner zweimal wöchentlich eine Massage. Das linderte nicht nur körperliche Beschwerden, sondern hellte auch ihre Stimmung auf. Mehr noch: Auch mit der Beziehung waren beide zufriedener. 3)

Wissenschaftler vom Niederländischen Institut für Neurowissenschaften in Amsterdam haben herausgefunden, dass Berührungen durch eine Frau als angenehmer empfunden werden als durch einen Mann.4) Berührungen übertragen Emotionen.

Eine Massage steigert die Abwehrkräfte und verringert die Konzentration an Stresshormonen im Körper.5)

Die Liste der positiven Wirkungen einer Massage könnte hier noch endlos fortgeführt werden. Doch was will ich damit sagen? Wir Patchworkmütter haben es quasi in der Hand. Gerade, wenn es darum geht, die zwischenmenschliche Beziehung zu stärken, sind Berührungen eine schöne nonverbale Methode.

Eine Massage muss nicht perfekt sein. Es ist nicht wichtig, die richtigen Griffe und Techniken zu kennen. Ich verlasse mich bei einer Massage ganz und gar auf mein Gefühl, auf meine Intuition, und achte auf die Reaktionen meines Kindes. Du kannst nichts falsch machen, wenn es deinem Kind gut dabei geht.

Viel Freude und auf eine gelingende positive Beziehung zu deinem Kind

Yvonne

Quellen:

  1. http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1111/j.1467-9280.2006.01832.x
  2. http://www.alltagsforschung.de/die-psychologie-von-beruhrungen/
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19083666?itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_RVDocSum&ordinalpos=12
  4. http://www.pnas.org/content/109/25/E1657.full.pdf
  5. http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/990434/

 

 

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