Eifersucht in Patchworkfamilien

Q&A: Du fragst – ich antworte

Julia* ist eifersüchtig auf die Ex ihres Partners. Sie möchte gelassener werden, wenn ihr Partner mit seiner Exfrau im Kontakt steht. Ich erkläre ihr, wie sie in den Prozess, wo die Eifersucht hochkocht, rechtzeitig eingreifen kann.

Grit* fühlt sich an den Wochenenden, wo ihr Bonuskind zu Besuch kommt, nicht wohl. Sie sagt, dass ihr Partner dann zum Sugardaddy mutiert. Hinzu kommt die ungleiche Behandlung seiner Tochter aus der ersten Beziehung gegenüber der gemeinsamen Tochter. Grit findet nämlich, dass er seine erste Tochter bevorzugt. Jedes Gespräch darüber mündet in einem Streit. Ich zeige Grit, wie sie es schaffen kann, mit ihrem Partner ein konstruktives Gespräch zu führen.

Beide Fragen beantworte ich in dieser Podcast-Folge:

Als Podcast-Folge #068 auf SoundCloud | iTunes | Spotify

Julias Frage beantworte ich zusätzlich in diesem Video.

Julias E-Mail an mich

Liebe Yvonne,

ich bin die „Neue“ an der Seite meines Partners und ich lebe jetzt seit ca. 2 Jahren in einer Patchwork-Familie. Habe selber keine Kinder mit in die Familie gebracht. Mein Partner hat zwei Kinder aus seiner vorherigen Ehe. Die Kinder leben hauptsächlich bei ihrer Mutter und sind jede Woche an einem Tag und im Wechsel noch jedes zweite Wochenende bei uns.

Meine Frage bzw. mein Anliegen ist es, dass ich gern daran arbeiten möchte, gelassener damit umzugehen, dass mein Partner und seine Ex-Partnerin im stetigen Kontakt und Austausch stehen. Sie haben ein gutes Verhältnis, trotz schwieriger Trennung. Sie verstehen sich gut und können ohne Konflikte miteinander umgehen.

Rational ist mir absolut bewusst, dass der Kontakt zwischen beiden essentiell und wichtig ist. Für die Kinder ist es großartig, dass die beiden so miteinander umgehen können. Sie sprechen wichtige Dinge gemeinsam ab und es gibt keinerlei Spannungen zwischen beiden.

Nun gibt es also Tage, an denen ich „cool“ damit umgehen kann, wenn das Telefon klingelt oder die Sprachnachrichten zwischen den beiden hin- und hergeschickt werden. Auch mit den Begegnungen bei der „Übergabe“ der Kinder geht es mir meistens gut. Dann gibt es aber Tage, wo ich doch ganz schön zu kämpfen habe. Dann sind es Gedankenschleifen, die sich wiederholen – z. B. kommen dann Gedanken der Unsicherheit – wie z.B. Eifersucht (sie waren 10 Jahre zusammen und haben diesen ganz eigenen Familienkosmos, zu dem ich (gefühlt noch) nicht gehöre), das Gefühl die „Zweite“ an seiner Seite zu sein (auch wenn er mir dieses Gefühl nicht gibt – ich gebe mir eher selbst das Gefühl) und einfach diese permanente Präsenz dieser Ex-Beziehung und Vergangenheit.

Mein Wunsch ist es, einen Umgang mit diesen eben beschriebenen Gefühlen für mich zu finden – denn mir ist klar, dass die Ex-Partnerin meines Partners immer oder zumindest noch eine lange Zeit eine Rolle spielen wird.

Hole dir das E-Book „Das Abenteuer Patchworkfamilie – mit 7 Tipps für weniger Streit und mehr Harmonie“.

Meine Antwort

Liebe Julia,

das was du beschreibst, ist gar nicht so selten. So geht es vielen, die das Gefühl haben, nur die Zweite zu sein. Vor allem junge Frauen, die noch keine Kinder haben und einen Partner finden, der schon Kinder mitbringt, kämpfen sehr damit, dass der geliebte Partner bereits eine Familie gegründet hat.  Warum?

Idealvorstellung Kernfamilie

Ich vermute, das liegt an den Idealvorstellungen, die wir in uns tragen. So tragen wir das Bild der heiligen Kernfamilie in uns. Das einzig richtige Familienmodell. In meiner allerersten Podcast-Folge habe ich das thematisiert.

Solange wir an diesem Idealbild festhalten, werden wir darunter leiden, eben dieses Modell nicht zu leben. Wir sollten uns jedoch bewusst machen, dass es viele Familienmodelle gibt: Regenbogenfamilie, Einelternfamilie (alleinerziehend), Patchworkfamilie, Adoptivfamilie, Pflegefamilie, Co-Parenting usw.
Die Kernfamilie ist die konservativste Variante von allen und nur eine von vielen.

Hinzu kommt, dass wir nicht nur dieses Idealbild in uns tragen, nein, wir tragen auch einen ganzen Fahrplan in uns, wie die Reise ins Kernfamilienleben zu sein hat. Wir verlieben uns in unseren Traumpartner, er/sie ist die große Liebe. Irgendwann macht er dir einen traumhaft schönen Heiratsantrag. Ihr erlebt eine Traumhochzeit, werdet gemeinsam zum ersten Mal schwanger usw.

Stiller Vorwurf, der die Liebesbeziehung zerstört

Was viele Frauen, die sich als die Zweite bezeichnen, wirklich schmerzt, ist die Tatsache, dass der geliebte Traumpartner das alles schon einmal erlebt hatte, aber so blöd war und nicht auf die „Richtige“ gewartet hat. Ich habe Frauen erlebt, die das ihrem Partner jahrelang vorwerfen. Ein ungerechtfertigter Vorwurf, der  die Kraft hat, eine Liebesbeziehung zu zerstören. Du tust das offensichtlich nicht, zumindest klingt deine E-Mail nicht so.

Tipp Nr. 1: Annehmen was ist.
Akzeptiere, dass du nicht das konservative Familienmodell lebst. Deine Familie oder Beziehungen sind das, was sie eben sind und orientieren sich nicht an deinen Idealvorstellungen.

Worauf du verzichten musst, wenn dein Partner bereits Kinder hat

Nimm an, dass dein Partner bereits Kinder hat. Das bedeutet, an ihm hängt ein Verzicht dran. Ein Verzicht an …

  • gemeinsamer Zeit,
  • körperlicher Nähe und
  • Geld

Davon fließt immer etwas ins erste System ab. Das gilt es zu akzeptieren und anzunehmen.

Schaue dir 2 Gratis-Interviews von 3 Top-Experten an. Erfahre, welche Kapitalfehler in Patchworkfamilien passieren und in welche Fallen du tappen kannst.

Woran du erkennst, dass dein Partner wirklich frei ist

Liebe Julia, ich möchte dir eine neue Sichtweise auf die Beziehung deines Partners auf seine Ex geben. Sei froh und glücklich darüber, dass er sich so gut mit seiner Exfrau versteht. So bleiben euch viele Sorgen und Konflikte über und um die Kinder erspart. Diese Sorgen sind eine echte Belastung für eine Partnerschaft. Aber wie du schreibst, weißt du das ja für die Kinder wirklich zu schätzen.

Wer einen Partner hat, der sich dauernd Gedanken um das Wohl seiner Kinder macht, mit dem kann man schwerlich glücklich werden, weil über diese Beziehung immer eine fette schwarze Wolke hängt – getränkt mit Schuldgefühlen, Vorwürfen, Ängste und Sorgen. Dein Partner ist frei und kann sich voll und ganz auf eure Liebe und auf dich einlassen.

Wenn er nämlich ein entspanntes Verhältnis zu seiner Ex hat, dann ist das ein Zeichen, dass sie auf partnerschaftlicher Ebene abgeschlossen haben. Das hätten sie nicht, wenn sie sich nach der Trennung immer noch angiften. Zwietracht, Streit und Konflikte binden Energie und Aufmerksamkeit, die euch als Paar dann fehlen würde.

Wenn einer dem anderen noch Vorwürfe macht oder ihn schlecht macht, dann deshalb, weil er noch an den Expartner gebunden ist. So sieht es bei deinem Partner in Bezug auf seine Ex nicht aus. Sie haben auf der partnerschaftlichen Ebene abgeschlossen und sind auf Elternebene ein gutes Team. Du  bist ein echter Glückpilz, denn jetzt ist deine Zeit.

Ihr seid frei euer Leben jetzt zu gestalten, aber nicht als Zweite oder Next. Diese Begriffe nutze ich persönlich nicht. Wenn ich das Leben so betrachten würde, dann wäre ich immer nur eine Nummer. Es gibt immer ein vor mir und wird immer ein nach mir geben.

Eifersucht wird stärker, wenn wir sie bekämpfen

Jetzt kommt die schlechte Nachricht: ich habe kein Patentrezept gegen Eifersucht. Eifersucht ist ein Gefühl, das, wenn es bereits entstanden ist, auch gefühlt werden möchte. Nimm sie an. Versuchst du sie loszuwerden, zu verdrängen, wird sie stärker.

Eine Körperübung für deine Eifersucht

Fühlst du Eifersucht, dann suche dir einen ruhigen Ort. Du solltest ungestört sein. Mach es dir bequem. Deck dich zu. Jetzt schließ bitte deine Augen. Lenke deine Aufmerksamkeit nach innen. Fühl deine Eifersucht, heiße sie willkommen. Versuche dich rein körperlich auf sie zu konzentrieren. Nimm wahr, dass du gerade eifersüchtig bist. Konzentriere dich auf dieses Gefühl und schaue mal, wo es sich körperlich bei dir ausdrückt. Zieht sich der Bauch zusammen, spürst du einen Druck in der Herzgegend? Dann halte die Aufmerksamkeit darauf gerichtet und beobachte was passiert. Halte den Fokus die ganze Zeit auf deine Körperreaktionen gerichtet. Wenn du das zu Hause machst, schreib mir doch bitte mal in die Kommentare, was da bei dir passiert, wenn du die Aufmerksamkeit auf das Gefühl im Körper fokussierst.

Tipp Nr. 2: Fühl deine Eifersucht und beobachte, was sie in deinem Körper macht, wie ein neugieriges Kind.

Wie Eifersucht entsteht

Du hast in deiner Mail ja wunderbar beschrieben, wie deine Eifersucht entsteht und darin liegt auch schon eine Lösung. Du schreibst: Dann sind es Gedankenschleifen, die sich wiederholen. So entstehen übrigens viele unserer Gefühle. Wir erschaffen sie durch unser denken? Zuerst hast du einen Gedanken und darauf folgt das Gefühl. Wir denken uns unsere Gefühle. Was du brauchst, ist eine Strategie, die dir hilft aus deinem Gedanken-Karussell auszusteigen. Die erarbeite ich mit jedem Klienten individuell in einem Beratungsgespräch.

Tipp Nr. 3: Lenke deine Gedanken in eine positive Richtung, um positive Gefühle hervorzurufen.

Wie du deine Eifersucht trainierst

Was du tust, ist, du hypnotisierst dich passiv. Deine wiederkehrenden Gedanken trainieren deine Eifersucht, immer und immer wieder, genauso als würdest du Gitarre spielen lernen. Je öfter du übst, umso leichter gelingt dir das spielen. Je öfter du also in deinem Gedanken-Karussell fährst, umso schneller und besser wirst du das Gefühl Eifersucht hervorrufen können.

Wie du aktiv in den Prozess eingreifst

Jetzt wäre es natürlich leicht zu sagen: achte auf deine Gedanken. Aber das ist bereits der 2. Schritt. Vorher muss etwas anderes passieren. Vorher hast du einen ersten automatischen Impuls, der vielleicht ausgelöst wird, wenn dein Partner seiner Ex eine Nachricht schreibt und dabei schmunzelt. Diesen automatischen Impuls haben wir wenig unter Kontrolle. Es passiert etwas – wir reagieren darauf. Das ist vollkommen menschlich. Erst in dem Moment, wo du dir darüber bewusst wirst, was passiert, hast du die Möglichkeit einzugreifen.

Nimm wahr was passiert. Du spürst, es geht dir nicht gut. Du fühlst dich nicht gut. Jetzt fängst du an es zu beobachten. Was denkst du gerade? Mach dir diese Gedanken bewusst. Und jetzt geht es darum, diese Gedanken aktiv zu verändern. Wenn du es nicht tust, wird dein Gehirn das tun, was es immer getan hat. Es wird die Gefühle hervorrufen, die du immer mit dieser Situation verbunden hast. Wenn du jetzt aktiv wirst, kannst du dir sagen: aha, das denke ich. Das fühle ich. Will ich das?

  1. Ja, will ich. Das fühlt sich gut an – na gut, dann mach weiter.
  2. Nein, fühlt sich nicht gut an. Dann überlege dir, wie willst du diese Situation erleben? Wie willst du fühlen? Was willst du darüber denken. Mit welchen Bildern möchtest du deine jetzigen Bilder austauschen. Das ist ein aktiver Prozess. Das ist Training, das wiederholt werden muss – wie Gitarre spielen. Irgendwann wirst du merken, dass deine Finger von ganz alleine über die Saiten fliegen, spielend leicht – aber, um dahin zu kommen, braucht es deinen Einsatz, dein aktives Eingreifen in den Prozess.

Viel Erfolg mit dieser Methode.

* Name geändert

Schaue dir 2 Gratis-Interviews von 3 Top-Experten an. Erfahre, welche Kapitalfehler in Patchworkfamilien passieren und in welche Fallen du tappen kannst.

Wer hat Vorrang? Die erste oder die zweite Frau?

Schreibe einen Kommentar