Eifersucht und Konkurrenz unter den Bonusgeschwistern

 

Meine jüngste Tochter hatte gerade Geburtstag und hat von ihrer Freundin ein Backbuch geschenkt bekommen. Nun steht sie schon die gesamten Ferien in der Küche und backt jeden Tag einen Kuchen. Ihre Kuchen sind köstlich und am Ende des Tages ist alles aufgegessen.

Alle, bis auf eines der Kinder, finden das wunderbar und freuen sich auf ihre Kuchen. Doch wie gesagt, eines der Kinder findet das „nervig“, wie es so schön betonte. Selbstverständlich sagte es dies nicht uns Eltern gegenüber, sondern verhält sich meiner Tochter gegenüber genervt, muffig, verdreht die Augen und teilt hier und da gerne einen gemeinen Seitenhieb aus.

Gestern Abend kam meine Tochter zu mir und weinte, weil sie nicht verstehen kann, warum ihr Geschwister so reagiert. Denn schließlich macht ihr das so viel Freude und sie würde ja nicht täglich für uns backen, sondern weil sie einfach Lust darauf hat. Ich ermutigte mein Kind ihrer Lust und ihrem Tun zu folgen. Sagte ihr, dass sie nicht aufhören darf, nur weil sie nicht möchte, dass sich jemand anders dadurch gekränkt fühlt. Denn das ist es ja, was ihr Geschwister dadurch erreichen möchte. Ich erklärte ihr, dass es immer Menschen in ihrem Leben geben wird, die sie neidisch betrachten werden, weil sie in deren Augen etwas hat, was sie selbst nicht haben. „Ja, aber dafür haben sie doch etwas anderes, da brauchen sie doch nicht neidisch sein“, antwortete mein Kind. „Das stimmt, aber das sieht dieser Mensch in dem Augenblick, wo er vom Stachel der Eifersucht getroffen wird, nicht.“
Sie fragte mich, ob ich das ihrem Geschwister nicht sagen könnte, denn sie würde gerne wieder backen, ohne angefeindet zu werden.

Gerne hätte ich ihr erklärt, dass wir in unserem Leben oft die Projektionsfläche der anderen sind. Dass andere in uns ihre eigenen Baustellen erkennen würden, wenn sie sich fragen würden, warum sie so fühlen und was es mit ihnen macht. Dass diese Menschen durch uns ihr eigenes Drama erkennen usw. Auf den ersten Blick ist die Wut gegen uns gerichtet. Auf den zweiten Blick jedoch wird schnell erkannt, dass sie die Wut gegen sich selbst richten.

In den Anfangsjahren unseres gemeinsamen Patchworklebens neigte mein Löwenmutterherz dazu, meine Tochter in solchen Situationen sofort rigoros zu verteidigen, um den Spuk zu beenden. Doch nicht selten ging der Schuss nach hinten los, weil sich das Geschwister dadurch in dem bestätigt fühlte, was es sowieso schon dachte. Zumal ich beobachtete, dass ich nur an den Symptomen und nicht an den Ursachen herumdokterte. Der Graben zwischen beiden Parteien vergrößerte sich.

Hier geht es nicht um die kreative Schaffenskraft meiner Tochter, das Lob und die Anerkennung, die sie dadurch erfährt. Hier geht es darum, dass sich unser muffiges Kind, das meine Tochter torpediert, nicht gesehen, nicht geliebt und nicht genährt fühlt. Es glaubt weniger wert zu sein. Es glaubt, Liebe nur dann zu erhalten, wenn es etwas leistet. Doch dieses Kind leistet nicht gerne viel, sondern liebt es, tiefenentspannt auf dem Sofa oder im Bett zu liegen, um seinen Gedanken und Träumen nachzuhängen. Selbstverständlich darf das Handy dabei nicht fehlen. Doch genau das ist es, was im Außen wenig Anerkennung erfährt. Wir leben in einer leistungsorientierten Gesellschaft. Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut, das sich einschleicht, wenn wir mal tatenlos auf dem Sofa liegen und einfach nichts tun. Ich habe ein schlechtes Gewissen, das Gefühl einen Tag vergeudet und nicht richtig gelebt oder etwas geschaffen zu haben.

Unser Kind, das am liebsten seine Zeit träumend auf dem Sofa verbringt, wirkt auf uns erst einmal träge und faul. Tatsächlich hat es große Schwierigkeiten, seine eigene Trägheit zu überwinden. Wir Eltern können uns das nicht vorstellen. Wir haben so viel Energie, dass es für uns eine Strafe wäre, stundenlang auf dem Sofa herumzuliegen. Doch für unser Kind ist es eine Herausforderung, vom Sofa aufzustehen. Vielleicht findet es irgendwann den Weg, das Wundermittel, mit dem es mühelos die eigene Trägheit überwindet. Vielleicht gewinnt es irgendwann den Nobelpreis dafür. Vielleicht wird es später einmal durch sein tägliches Träumen ein großer Romanschreiber … Wer weiß das schon?

Tja, welch ein Dilemma. Beides ist okay, sowohl auf dem Sofa liegen als auch Kuchen in der Küche zu backen. Lob erhält aber nur der Kuchen, nicht das durchgelegene Sofa J Was das Kind auf dem Sofa aber dringend braucht, ist das Gefühl, bedingungslos geliebt zu werden, auch wenn es den ganzen Tag faul herumliegt. Es braucht unsere bedingungslose Liebe. Allerdings ist es schwer, das in den Alltag zu integrieren. Ein eifersüchtiger, muffköpfiger Mensch kann oft unerträglich und wenig liebenswert sein. Dieses Gefühl anzunehmen, ist ebenfalls wichtig. Doch um das Drama zu beenden, muss das Gefühl der Ablehnung überwunden werden. Das ist leichter gesagt als getan. Was tun, wenn das Herz dem „gemeinen“ Kind gegenüber schon verschlossen ist? Was, wenn man es manchmal am liebsten zum Mond wünscht? Vielleicht hilft dir dann diese Herzöffner-Übung, die Nick Melekian in seinem Blog „In Liebe sein“ so schön beschreibt: http://www.in-liebe-sein.de/herz-oeffnen-liebe-wahrnehmen/

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