Patchworkfamilie-Patchworkmama

Der größte Fehler, den jede Patchworkfamilie macht

Es gibt einen großen Fehler, den fast jede Patchworkfamilie unbewusst macht. In meiner täglichen Arbeit mit meinen Klienten begegnet er mir regelmäßig. Dieser Fehler ist die Ursache vieler Probleme mit den Expartnern, mit dem Partner, mit den Kindern und Bonuskindern. Und wer diesen Fehler immer wieder macht, riskiert seine Beziehung und damit die Patchworkfamilie.

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Blöd ist: wer diesen Fehler macht, macht wiederum weitere Fehler, die daraus resultieren, und sie alle sorgen für ordentlich Zündstoff. Darüber spreche ich in diesem Artikel und natürlich erfährst du auch am Ende, wie du diese Fehler vermeidest.

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Fehler Nr. 1 und damit der größte von allen ist:
Wir spielen Kernfamilie

Mit dem Bild der heilen, ja sogar heiligen, glücklichen Kernfamilie sind wir gesellschaftlich geprägt worden. Dieses Bild ist uns in Fleisch und Blut übergegangen.

Die Rollen in der Kernfamilie

Ein starker, verantwortungsvoller Vater mit einer gütigen, liebenden Mutter an seiner Seite und Kindern, die artig, fröhlich und strebsam in der Schule sind. Obwohl – das stimmt nicht ganz, ein bisschen hochbegabt dürfen die Kinder heute schon noch sein – bloß kein Durchschnitt.

Diese Bilder sind alt. Geprägt durch die heilige Mutter Maria zusammen mit Joseph, wie sie mit verklärtem Blick ihr Kind in der Krippe betrachten.

Die heilige, kleine Familie genießt absolute Hoheit in unseren Köpfen bzw. in unserem Unterbewusstsein. Es ist wie ein Programm, das von dem Benutzer auf der Festplatte nicht wirklich gelöscht werden kann. Und das, wo Maria, Joseph und Jesus doch ein so schönes Abbild einer Patchworkfamilie sind!

Warum Stiefeltern sich nicht wie leibliche Eltern benehmen sollten

Das Problem ist: unsere Prägung veranlasst uns dazu Kernfamilie zu spielen, wo wir schon lange keine Kernfamilie mehr sind, sondern in einer Patchworkfamilie leben. Das führt dazu, dass Patchworkfamilien im Außen grundsätzlich so tun, als wären sie eine Kernfamilie. Stiefeltern, die sich sogar in der Schule der Bonuskinder wie die leiblichen Eltern benehmen, Zeugnisse unterschreiben usw. Ein solches Verhalten ist übergriffig und wird früher oder später für ordentlichen Zündstoff sorgen. Es sei denn, die Kinder und leiblichen Elternteile sind damit einverstanden. Das sind sie meistens nicht, im Gegenteil, sie wurden vermutlich nie gefragt.

Die Konsequenz aus dem Kernfamilien-Spiel

Wenn die Patchworkeltern dem Ideal Kernfamilie nachstreben, und das passiert im Übrigen in der Regel vollkommen unausgesprochen, ist die logische Konsequenz, dass kein zusätzlicher Elternteil mehr nötig ist, sondern einfach ersetzt werden kann. Das führt unweigerlich dazu, dass die Expartner oder getrennt lebenden Elternteile ausgeschlossen werden. Das spüren die Kinder und werden versuchen den ausgegrenzten Elternteil zu integrieren. Und schon haben wir die erste tickende Zeitbombe im System.

Wie du Konkurrenz vermeidest

Eine Mutter oder ein Vater können nicht ersetzt werden. Eine Patchworkfamilie ist keine Kernfamilie und kann das auch nie sein. Wer das versteht, der rutscht nicht in Rollen hinein, die nicht seine sind. Der kommt nicht auf die Idee, alle Kinder gleich behandeln zu müssen. Der hat weder den Anspruch, von seinen Bonuskindern als Mama oder Papa gesehen zu werden, noch so angesprochen oder gar geliebt zu werden. Wer das versteht, gerät nicht in Konkurrenz zu den leiblichen Elternteilen.

Wie du Konflikte vermeidest

Du musst nicht die bessere Mutter/der bessere Vater sein, denn du weißt ja, dass du nicht die Mutter/der Vater bist. Du brauchst keine Aufgaben übernehmen, die nicht deine sind. Das heißt:

  • die Verantwortung bleibt bei den leiblichen Eltern und
  • dein neuer Partner übernimmt nicht die Verantwortung für deine Kinder

Alles was ein neuer Partner für sein Bonuskind tut, sollte absolut freiwillig geschehen, aus einem Überschuss an Kraft, Zeit und Geld heraus.

Dadurch nimmst du ganz viel Druck von euren Schultern. Folglich wird es weniger Konflikte mit den Expartnern und den Bonuskindern geben. Das entlastet das neue Familiensystem enorm und setzt Energie für Wichtigeres frei. Zum Beispiel fürs Liebesleben 😉

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Fehler Nummer 2: Alle machen alles gemeinsam.

Aus dem Fehler Nummer 1 resultiert Fehler Nummer 2. Ich erlebe Patchworkfamilien, die, unabhängig vom Alter und der Interessen der Kinder, nahezu jede Freizeitaktivität gemeinsam unternehmen. Das sind Eltern, die extrem bemüht sind ein harmonisches Familienbild abzugeben. Sie mimen fröhlich und munter und oft viel zu verkrampft die heile Familie, was für die meisten Kinder unerträglich ist. „Erzwungene“ gemeinsame Aktivitäten Enden nicht selten in Streiterei, also das Gegenteil von dem was erreicht werden sollte. Ich sage nicht, dass ihr keine Aktivitäten mehr unternehmen sollt, im Gegenteil, sie sind wichtig für ein gutes Zusammenwachsen. Aber sie sollten ein Angebot und kein Pflichtprogramm sein. Das ist der Unterschied.

Woher kommt diese Harmoniesucht?

Nach den Turbulenzen der Scheidung, den Machtkämpfen, den vielen Tränen und Grübeleien wünscht man sich nichts sehnlicher als stabile Verhältnisse und Harmonie. Man will der Welt zeigen, dass man fähig ist eine glückliche Beziehung/Familie zu führen. Das Problem ist nur, dass sich das nicht auf Knopfdruck einstellt.

Gebt den Kindern Zeit!

Machen wir uns nichts vor: die Kinder sind mit einem Wohnungswechsel, dem Zusammenziehen mit dem neuen Partner und möglicherweise seinen Kindern meistens nicht einverstanden. Sie brauchen nach der Trennung der Eltern viel Zeit, um mit der neuen Situation und den damit einhergehenden veränderten Abläufen und Bedingungen zurechtzukommen. Eine gute Beziehung zu einem fremden Kind aufzubauen, mit dem man auch die nächsten Jahre viel Zeit verbringen wird, mit dem man sich zukünftig gemeinsam das Bad und den Partner teilt, ist essenziell für das Abenteuer Patchwork. Und dieser Beziehungsaufbau kostet Zeit. Viel Zeit.

Eine bittere Pille für Patchworkfamilien

Das Kernfamilien-Spiel in Patchworkfamilien ist absolut kontraproduktiv. Das bedeutet, wir machen eben nicht immer alles gemeinsam. Im Gegenteil, auch nach der Gründung einer Patchworkfamilie, bleibt die Kernfamilie ein Stück weit erhalten.

Das ist für die meisten Patchworker eine extrem bittere Pille, aber dennoch – für das Gelingen des Patchwork-Abenteuers solltest du sie schlucken. Die Kinder brauchen regelmäßig exklusive Zeit mit dem leiblichen Elternteil allein. Ob das den Umfang eines Nachmittags oder einer Woche Urlaub einnimmt, entscheidet jede Familie selbst. Aber diese Zeiten muss es geben, ohne dass irgendwer sich zurückgesetzt oder benachteiligt fühlt.

Fehler Nummer 3: Wir haben uns alle furchtbar lieb.

Ein beliebtes Spiel von Patchworkeltern und damit der dritte Fehler, der aus dem größten Fehler, das Kernfamilien-Spiel, resultiert.

An Weihnachten haben wir uns alle lieb!

Ein Klassiker ist das Weihnachtsfest, wo von allen erwartet wird, so zu tun, als hätten sie sich furchtbar gern. Unterschwellig brodelt es, so dass man das Gefühl hat, es genügt schon ein einziges Wort und der Vulkan bricht aus. Gerade in der Weihnachtszeit werden solche Spielchen unglaublich gern gespielt. Jeder möchte auf Teufel komm raus Harmonie. Ich bin absolut keine Freundin von unterdrückten Konflikten. Lieber lasse ich auch mal an Weihnachten die Bombe platzen, als Konflikte ewig zu deckeln, im Sinne von Themen, die nicht angesprochen, oder Personen, deren Namen nicht genannt werden dürfen, weil die Stimmung sonst sofort im Keller ist. Ein verkrampftes Weihnachtsfest macht niemandem Spaß.

Deshalb: lieber ganzjährig Konflikte auf den Tisch legen, dann ist die Chance auf ein harmonisches Weihnachtsfest am Ende des Jahres größer.

Jedem Familienmitglied sollte die freie Wahl gelassen werden, wen es in sein Herz schließt und wen nicht. Zur Liebe lässt sich niemand zwingen. Und meine neue Liebe, muss nicht die neue Liebe meiner Kinder sein.

Zum Abschluss zusammengefasst die wichtigsten drei Tipps, wie du diese Fehler vermeidest.

3 Tipps: So vermeidest du diese Fehler

  1. Akzeptiere, dass du in einer Patchworkfamilie lebst. Wenn es dir schwerfällt, das zu akzeptieren, frage dich einmal, warum das so ist. Welche Glaubenssätze über „Familie“ schleppst du mit dir herum, die vollkommen konträr zu deiner Lebenssituation sind? Die dich in deinem Alltag behindern und blockieren?
  2. Schließe niemanden aus! Weder den Expartner deines Partners, noch die Großeltern oder gar eines der Kinder deines Partners. Jeder hat seinen Platz im System. Es ist wichtig, dass jeder seinen Platz bekommt und einnimmt. Du, zum Beispiel, nimmst ganz selbstverständlich den Platz an der Seite deines Partners ein. Aber achte auch auf alle anderen Plätze im System. Krieg entsteht meist durch den Ausschluss einer Person. Das bedeutet nicht, dass du mit allem einverstanden sein musst. Aber gib jedem zumindest innerlich einen guten Platz, damit du ebenfalls deinen Platz einnehmen und vollkommen ausfüllen kannst.
  3. Nimm dir Zeit – viel Zeit. Forscher gehen von bis zu sieben Jahren aus, bis ein neues System zusammengewachsen ist. Da braucht es einen langen Atem oder besser gesagt: viele tiefe Atemzüge und langes Ausatmen ;)))

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Diese 3 Tipps zu beherzigen ist nicht leicht, ich weiß. An diesen Konflikten scheitern viele Paare. Das sind auch die Konflikte mit denen die meisten Patchwork-Eltern zu mir in die Beratung kommen. Ich sage zu meinen Klienten immer: Patchwork ist Persönlichkeitsentwicklung und eine der härtesten Liebesprüfungen die es gibt. Patchwork erfordert Mut, eine ordentliche Portion Selbstreflexion und Arbeit. Aber diese Arbeit kostet dich in der Regel weniger als das ewige Tummeln auf Kriegsschauplätzen – und als die meisten Anwälte 😉

Alles Gute

Yvonne

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