Das hilft gegen Scheidungsstress – und was Kinder wirklich brauchen

Jedes dritte Kind muss damit rechnen, die Trennung seiner Eltern mitzuerleben und zukünftig in einer anderen Familienform als der einer Kernfamilie aufzuwachsen. Welche Bedürfnisse sind für Kinder im Trennungskonflikt extrem wichtig und sollten von den Eltern unbedingt erfüllt werden? Und was hilft Eltern mitten in der Scheidung?

 

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Erstaunlicherweise stecken die meisten Kinder die Trennung der Eltern gut weg. Sie durchlaufen die Scheidung ihrer Eltern ohne größere dauerhafte Schäden. Die beiden amerikanischen Experten für Scheidungsforschung E. Mavis Hetherington und Paul Amato fanden heraus, dass 70 bis 80 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen zwei Jahre nach einer Trennung seelisch gesund sind. 20 bis 30 Prozent neigen weiterhin zu emotionalen Verhaltensproblemen.

Doch auch in „intakten“ Familien neigen 10 bis 20 Prozent der Kinder zu solchen Verhaltensproblemen. Paul Amato sagt, dass sich die Kinder und Jugendlichen aus Scheidungs- und Kernfamilien mehr ähneln, als dass sie sich unterscheiden. Durch Scheidung und Trennung dauerhaft geschädigte Kinder, die gebeutelt durch Leben gehen, sind aus Sicht der Forschung völliger Unsinn. Doch leider ist dieses Schreckensbild für die Medien und deren Konsumenten viel attraktiver und aufregender.

Der wirkungsvollste Schutz für Kinder

Elisabeth Schmidt ist als Anwältin spezialisiert auf Familienrecht und war als Interviewgast beim Patchworkfamilien-Kongresses[1] dabei. Sie hat vier Bedürfnisse beschrieben, die für Kinder im Trennungskonflikt extrem wichtig sind und von den Eltern unbedingt erfüllt werden sollten:

  1. Die Beziehung zur Mutter muss unverändert erhalten bleiben.
  2. Die Beziehung zum Vater muss unverändert erhalten bleiben.
  3. Das Kind möchte seine Mutter lieben, in dem Bewusstsein und mit dem Gefühl, dass sein Vater es gutheißt.
  4. Das Kind möchte seinen Vater lieben, in dem Bewusstsein und mit dem Gefühl, dass seine Mutter es gutheißt.

Der wirkungsvollste Schutz für Kinder gegen den Scheidungsstress sind kompetente Eltern. Eltern, die ihre Kinder liebevoll begleiten, Anteil an ihren Sorgen nehmen und sie weder emotional noch kognitiv überlasten. Die elterliche Fürsorge ist nicht nur das allerwichtigste, sondern oft auch der einzige Schutzfaktor im Leben vor allem kleiner Kinder. Eltern, die einerseits viel Herzenswärme und andererseits Halt geben, auch durch Konsequenz, wirken auf Kinder beruhigend und vertrauenswürdig. Dass das nicht immer gelingt, vor allem in der Trennungsphase nicht, ist normal. Doch Kinder sollten zumindest erkennen können, dass ihre Eltern ihr Bestes geben, auch wenn sie dabei Fehler machen. Für Kinder ist es übrigens enorm erleichternd und tröstend, wenn Eltern die Stärke besitzen, die eigenen Fehler zuzugeben.

Der beste Schutz für Eltern

Damit es Eltern gelingt, die Bedürfnisse ihrer Kinder zu erfüllen, brauchen sie selbst ein gutes Helfernetzwerk und einen Mentor, also jemanden, der sie optimal durch die Trennung begleitet. Dieser Mentor sollte übrigens nicht der neue Partner sein. Neue Partner besitzen selten diese Kompetenz, auch wenn sie das von sich behaupten. Im Gegenteil, auch sie sollten sich von einem Mentor begleiten lassen, denn auch sie leiden unter der Belastung des Partners durch dessen Trennung.

Sich begleiten zu lassen, ist in unserer Gesellschaft nicht wirklich populär. Ich kann ehrlich gesagt nicht wirklich nachvollziehen, woher wir den Glauben nehmen, alles alleine durchstehen zu können und zu müssen. Nur wenige Eltern nutzen die Angebote von Familienberatungsstellen. Mediatoren, Psychologen, Familienberater, ja sogar Paarberater können als Mentor fungieren. Diese müssen nicht einmal teuer sein. Vielerorts gibt es sogar kostenfreie Angebote.

Ein begleitender Mentor in der Trennungsphase ist wertvoller, als viele sich vorstellen können. Er hört zu, berät, zeigt Lösungen auf, die im Dickicht der eigenen Gefühle nicht erkannt werden, stärkt und ist auch für die Familie einer der wichtigsten Schutzfaktoren.

Helfernetzwerk statt Egotrip

Neben dem Mentor ist ein stabiles Helfersystem aus Freunden, Großeltern und anderen Familienmitgliedern, Nachbarn, Eltern und Pädagogen von unschätzbarem Wert. Ein stabiles Helfersystem wirkt unterstützend und manchmal sogar rettend. Was hätte ich ohne meine besten Freunde, Nachbarn und vor allem ohne Katrin in den ersten beiden Jahren nach meiner Trennung gemacht? Ich war selbständig und alleinerziehend mit Haus und Garten. Nach meinem ersten Burnout war mir sehr schnell klar geworden, dass ich es alleine nicht schaffen werde, zumindest nicht ohne größere Blessuren davonzutragen, sowohl bei mir als auch bei meinen Kindern. Katrin stellte ich auf Minijob-Basis ein. Das kostete mich zwar anfangs Geld, aber ohne Katrin wäre ich erst recht Pleite gegangen. Sie hielt mir den Rücken frei, wenn ich Aufträge und Projekte für meine Kunden abarbeitete. Meine Kinder liebten Katrin und haben bei ihr wunderbare, unbeschwerte Stunden verbracht. Katrin war ein Segen für mich und meine Kinder. Sie verstand es, die Kinder einerseits zu verwöhnen und ihnen andererseits konsequent und liebevoll einen verlässlichen Rahmen zu geben. Wo ich schwach wurde, bewies sie Stärke.

Ein Helfernetzwerk ist einer der besten Schutzfaktoren für uns Eltern. Also, bau dir ein Helfernetzwerk, das dich durch schwierige Zeiten trägt.

[1] Der Patchworkfamilien-Kongress ist eine Online-Konferenz zum Thema Patchworkfamilien. Top Experten aus den Bereichen Familientherapie, Recht, Coaching und Beratung geben wertvolle Tipps. www.patchworkfamilien-kongress.de
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