Darf ich meine Bonuskinder erziehen?

Die Beziehung zu den Bonuskindern ist aus meinen Erfahrungen heraus wackelig und störungsanfällig. Zu meinen leiblichen Kindern habe ich eine tiefe Beziehung, seit meiner Schwangerschaft mit ihnen. Durch das Stillen, das gemeinsame Familienbett (als wir noch in der Kernfamilie lebten), ständiges Tragen und jahrelanges Begleiten ist diese Verbindung noch stärker geworden. Ich glaube nicht daran, dass es gelingen kann, eine solche Verbindung zu den Bonuskindern aufzubauen. Meines Erachtens ist das auch gar nicht notwendig, denn deren leibliche Eltern existieren ja. Es ist ihre Aufgabe, eine solche Verbindung zu den Kindern aufzubauen oder auch zu halten und nicht durch die Trennung der Eltern zu zerstören.

Meine Bonuskinder zu erziehen, fühlte sich für mich immer falsch an. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Beziehung zu ihnen darunter mächtig leidet. Wenn ich es nicht schaffe, diese Kinder ins Herz zu schließen, mich ihnen zu öffnen und sie anzunehmen, sollte ich tunlichst die Finger davon lassen, sie in irgendeiner Weise erziehen zu wollen. Das geht immer schief. Und wer glaubt, über den Weg der Erziehung eine Beziehung zu seinen Bonuskindern aufzubauen, wird bitter enttäuscht werden. Sicher, irgendeine Form von Beziehung wird immer aufgebaut. Die Frage ist nur, welche Qualität diese hat. Kinder, zu denen ich keine gute Beziehung habe, nehmen es mir sehr übel, wenn ich sie erziehen möchte. Das ist für sie ein starker Eingriff in ihre Persönlichkeit … in ihre absolute Privatsphäre. Ein Eingriff, der von außen kommt. Ja, von außen. Nur weil man unter einem Dach wohnt, heißt es noch lange nicht, dass man den Zutritt ins Innere des Kindes erhalten hat. Gerade Patchworkeltern sollten hier vorsichtig sein.

Gemeinsamer Erziehungsstil? Fehlanzeige.

Mein Partner und ich zum Beispiel konnten uns nie auf einen gemeinsamen Stil einigen. Wir konnten uns zwar auf unsere wichtigsten Bedürfnisse einigen – zum Beispiel über die Ordnung und Sauberkeit in unseren Gemeinschaftsräumen, über unsere Sitten am Tisch, über Aufgaben, die von den Kindern im Haushalt oder auf unserem Hof erledigt werden müssen, – aber nie über den Umgang mit den Kindern in Konfliktsituationen, über Freiheiten und auch Einschränkungen, die den Kindern gewährt werden. Eine Einigung konnte es nicht geben, ohne dass einer von uns beiden sich hätte so sehr verbiegen müssen, dass er seine Authentizität verloren hätte. So haben wir zwar eine gemeinsame Basis für unser Zusammenleben gefunden, aber letztendlich geht jeder mit seinen Kindern so um, wie er es für richtig hält. Das letzte entscheidende Wort hat also immer der leibliche Elternteil. Die Kinder wissen das und so kommen sie gar nicht erst auf die Idee, den Part zu fragen, der am ehesten eine Entscheidung zu ihren Gunsten treffen würde. Sie wissen, bei wichtigen Entscheidungen müssen sie zum leiblichen Elternteil gehen. Mit diesem können sie sich am ehesten identifizieren und von ihm Entscheidungen eher annehmen und akzeptieren als von dem Bonuselternteil. Natürlich kommt es vor, dass sie sich Unterstützung vom Bonuselternteil holen, wenn sie wissen, dieser würde anders entscheiden. Aber sie wissen genau, wer das letzte Wort spricht.

Wie man in den Wald hineinruft …

Wenn es etwas gibt, das mich persönlich betrifft und einschränkt oder belastet im Zusammenleben mit den Kindern, dann spreche ich das offen an. Ich gebe ein Beispiel:

Die Küche ist der Ort, wo ich täglich für uns alle koche. Dieser Ort gehört uns allen. Aber da ich diejenige bin, die sich am meisten darin aufhält, die Zutaten einkauft und kocht, ist es mir wichtig, dass dieser Ort sauber gehalten und geachtet wird. Hier treffen wir uns jeden Abend zum Essen. Selbstverständlich dürfen die Kinder selbst in der Küche experimentieren. Wenn jedoch die Zutaten hinterher nicht weggeräumt, nicht ordentlich verschlossen oder wahllos weggeworfen werden, dann kann ich das nicht akzeptieren. Solche Themen bespreche ich auch mit meinen Bonuskindern. Die Frage dabei ist aber immer: Wie bespreche ich das? Ich könnte sagen: „Du hast schon wieder einen riesigen Saustall hinterlassen“ und sie dabei lautstark und strafend anklagen. Dadurch erzeuge ich eine Abwehrhaltung bei ihnen und sie werden sich rechtfertigen. Ich könnte aber auch sagen, was es mit mir macht, wenn ich die Küche so vorfinde. Ich könnte sie bitten, die Küche zu säubern und die Töpfe in die Spülmaschine zu räumen.

Bleib bei dir, sprich von deinem Gefühl, von deinem Bedürfnis, zum Beispiel dass du Ordnung in der Küche brauchst. So gefährdest du bei solchen täglichen Auseinandersetzungen nicht die Beziehung zu deinen Kindern und Bonuskindern.

Wiederholt sich allerdings der Vorfall immer und immer wieder und du bist stinksauer, dann kann es nicht schaden, deinen Unmut auch mal lauter kundzutun 😉

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