Liebeskummer

5 Tipps, wie du Trennungsschmerz überwindest

Das Ende einer Liebesbeziehung verändert das Leben von Menschen wie kaum ein anderes Ereignis. Eine Trennung tut weh, mehr noch – sie kann dich mit voller Wucht in eine Krise stürzen. Ich habe mich mit der Frage beschäftigt: Was kann ich tun, um Trennungsschmerz, Hass und Depression zu überwinden?

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Was hat Patchwork mit Trennungsschmerz zu tun?

Das Thema Trennung beschäftigt mich regelmäßig als Patchworkfamilien-Beraterin. Jeder Patchworkfamilie ging mindestens eine Trennung voraus – und die wenigsten gehen gut damit um. Mein Eindruck ist auch, dass sich Patchworkpaare in ihrer Beziehung viel häufiger als andere Paare die Frage stellen: „Sollen wir uns besser trennen oder weiter machen?“

Leider gibt es dazu keine Statistiken. Über Scheidungen gibt es Statistiken. Die ergeben sich aus den Meldungen der Scheidungsfälle durch die Familiengerichte. Aber wie sollen Zahlen über Trennungen in Patchworkfamilien erhoben werden, wenn kein zweites Mal geheiratet wird? Und wann spricht man von einer Patchworkfamilie? In meinen Beratungen höre ich oft die Frage: „Bin ich überhaupt Stiefmutter/-vater?“ oder „Sind wir schon eine Patchworkfamilie?“.

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Fakt ist: es ist schwierig aussagekräftige Statistiken über Patchworkfamilien und Trennungen zu finden, weil dazu keine eindeutigen Zahlen und Erhebungen vorliegen. Von daher kann ich nur vermuten, dass die Trennungsrate bei Patchworkpaaren sehr hoch ist. Diese Einschätzung teile ich mit allen Kollegen meiner Branche.

In meinen Beratungen kommt es hin und wieder vor, dass Patchworkpaare sich dazu entschließen, getrennte Wege zu gehen. Patchwork erfordert einen hohen Preis. Die meisten sind sich darüber zu Beginn ihrer Paarbeziehung nicht im Klaren. Einerseits ist das gut, sonst würde sich kaum jemand freiwillig darauf einlassen, und andererseits ist die Überraschung  umso größer, wenn die Rechnung mit dem zu zahlenden Preis dann plötzlich auf dem Tisch liegt. Klar – frisch verliebt glaubt man jede Hürde nehmen zu können. Nur ein paar Monate später, im Trubel des Alltags, fehlen oft Energie, Zeit und Raum, sich mit den Hürden auseinanderzusetzten. Die naheliegende Lösung ist dann eine Trennung.

Warum trennen wir uns?

Egal wie wir uns trennen: sich zu trennen tut weh. Warum trennen wir uns dann überhaupt? Weil wir möglicherweise vor einem anderen Schmerz mehr Angst haben, als vor dem Trennungsschmerz. Oder anders gesagt, weil wir unsere Lebensthemen nicht bearbeiten wollen. Ich versuche es mal zu erklären.

Der Partner als Selfie-Stick

Wir erleben uns selbst am intensivsten in Verbindung mit einem Partner. Anfangs ist der Partner wie ein Selfie-Stick. Er fokussiert uns mit etwas Abstand und hat dabei diverse Filter vorgeschaltet. So erhalten wir die Chance, uns ebenfalls neu zu sehen oder so zu sehen, wie wir uns gerne sehen würden.

Mit der Zeit verschwinden die Filter und der eine oder andere Pickel kommt zum Vorschein. So richtig spannend wird es eigentlich erst jetzt. Schminken wir den Pickel über, weil wir ihn nicht wahrhaben wollen oder lassen wir ihn sichtbar ausheilen? Letzteres erfordert Mut. Mut – sich tatsächlich zu zeigen. Dann sind wir verletzlich, angreifbar. Was ich damit sagen will, ist, Schmerz entsteht schon weit vor der eigentlichen Trennung. Der Pickel (der Schmerz) ist ein Hinweis auf eines meiner Lebensthemen. Wir trennen uns nicht wegen eines Pickels. Wir trennen uns, weil wir Angst vor unseren Lebensthemen haben – oder, weil wir unser Lebensthema bearbeiten und plötzlich feststellen, dass wir viel zu lange in einer toxischen Beziehung aushaarten.

Wie eine Paarbeziehung Lebensthemen wachruft

Die engste Beziehung, nach der Beziehung zu unseren Eltern, ist die Paarbeziehung. Wenn die nicht gut läuft, kommen ganz wichtige Themen aus unserer Kindheit zum Vorschein. Sich die anzuschauen tut weh und wir haben richtig Schiss davor. Wenn ich große Angst habe, verlassen zu werden oder wenn mich bestimmte Eigenschaften furchtbar aufregen, hat das oft etwas mit meiner Kindheit zu tun. In Beziehungen und vor allem auch in Trennungen werden echte Lebensthemen wachgerufen. Denen darf ich mich jetzt zuwenden, mit meinem Erwachsenen-Ich, nicht mit meinem Kind-Ich, das meist bockig und trotzig reagiert.

Warum sind Trennungen so schmerzhalft?

Wenn wir uns trennen, wird ein ganz wichtiges Grundbedürfnis verletzt – das Bedürfnis nach Sicherheit. Wir fühlen uns sicher gebunden am wohlsten. Wir wollen dazugehören, bestenfalls in einer großen Gemeinschaft, aber gleichzeitig unabhängig und autonom sein. Klingt paradox, oder?

Das Blöde an einer Trennung ist, sie kommt selten allein. Es folgen weitere Trennungen. Beispielsweise vom gewohnten Umfeld, von Freunden und Familienangehörigen des Partners usw. Mit einer Trennung geht ein Lebenskonzept, dass ich einst mit meinem Partner schmiedete, verloren. Trennungen hinterlassen Versagens- und Schuldgefühle. Der Status als Ehefrau/Ehemann ist verspielt. Wir verlieren möglicherweise ein Haus, müssen das Auto abgeben, einen Anwalt bezahlen …

Eine Trennung bedeutet eben nicht nur sich allein vom Partner zu trennen. Mit einer Trennung ist weit mehr verbunden.

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Die beliebtesten Abwehrstrategien, um Trennungsschmerz wegzudrücken

Weil eine Trennung weh tut, entwickeln die meisten Menschen Strategien, um den Schmerz zu mildern. Diese Strategien machen in der Regel alles schlimmer, vor allem, wenn man gemeinsam als Elternpaar für die Kinder sorgen möchte. Die drei häufigsten Strategien schildere ich kurz.

Strategie: Trennungsgefahr verdrängen

Diese Strategie wird weit vor der Trennung eingesetzt. Es wird ständig gestritten. Es gibt keinen guten Sex gibt mehr, auch keine Zärtlichkeiten, geschweige denn gute Gespräche. Doch die Augen werden vor der drohenden Trennungsgefahr lieber geschlossen, als sich den Problemen zu stellen. Man glaubt: das wird schon wieder. Was dann aber oft passiert, ist, dass einer der beiden sich in jemand anderen verliebt.

Strategie: Neue Liebe, neues Glück

Nach einer Trennung geht man zu schnell in eine neue Beziehung. Das hat verschiedene Gründe. Wer nicht gut mit sich alleine sein kann, sucht schnell einen Ersatz, um der Einsamkeit zu entrinnen. Ein anderer Grund kann die Sehnsucht nach einer romantischen Liebe sein, nach dem Traumpartner, der mir den Himmel auf Erden bereitet und mit dem alles anders und viel schöner sein wird.

Die neue Geliebte oder der Geliebte wird idealisiert. Mit ihm oder ihr wird alles besser. Das geht in vielen Fällen schnell wieder schief und vor allem deshalb, weil die Probleme oder besser gesagt Lebensthemen nicht bearbeitet wurden.  Natürlich tauchen die in der neuen Beziehung wieder auf. Wer sie weder erkannt noch bearbeitet hat, trägt sie in die neue Beziehung und sucht sich unbewusst im Außen den Partner aus, mit dem man sie erneut anschauen darf.

Die beliebteste Abwehrstrategie: Dem anderen die Schuld zuschreiben

Eine der Hauptstrategien ist, dem Partner die Schuld an der Trennung zuzuschreiben. In meiner Beratungspraxis beobachte ich, dass beide gerne die Schuld von sich weisen. Das macht vor allem derjenige, der die Trennung nicht vollzogen hat. Und in Patchworkfamilien ist nicht nur der Partner an der Trennung schuld, sondern gerne auch seine mitgebrachten Kinder, sein Ex-Partner oder seine Familie.

Das Hauptmotiv der Schuldzuschreibung

Was ist das Hauptmotiv dahinter? Den Finger auf einen Schuldigen zu richten, ist einfacher, als sich mit dem eigenen Anteil zu beschäftigen, der zur Trennung beigetragen hat. Ich nehme Rache am anderen, dass er die Beziehung kaputt gemacht hat. Eigentlich ist das nichts anderes, als der Versuch etwas auszugleichen: Ich fühle mich vom anderen verraten, verletzt und zu Unrecht behandelt – und jetzt nehme ich mit Hilfe meines Anwaltes Rache, entziehe dem anderen die Kinder oder mache alles so kompliziert, dass er bei mir um die Kinder betteln muss. Das ist der Versuch, für das, was mir angetan wurde, einen Ausgleich zu kreieren, auf eine sehr destruktive Weise. Das ist pures Gift auf der Elternebene. Und bewusst oder unbewusst nehmen Eltern in Kauf, dass die gemeinsamen Kinder dieses Gift atmosphärisch inhalieren.

Kinder atmen Atmosphäre. Wir Eltern können entweder für ein toxisches Gemisch aus Giftgasen oder für frische, saubere und gesunde Luft sorgen.

5 Tipps, wie du Trennungsschmerz überwindest

Was braucht es, um einen guten Weg der Trennung hinzukriegen und die Trennung zu bewältigen? Es braucht vor allem eines: die Bereitschaft wirklich zu trauern.

#1 Realisiere: die Beziehung ist jetzt vorbei.

Wenn du den anderen mit Rachemaßnahmen verfolgst, innerlich und äußerlich, bindest du dich an ihn, oft stärker als du je an ihn gebunden warst. Wenn du dir stundenlang überlegst, wie man den anderen verletzten oder es ihm heimzahlen kann, welcher nächste Schritt zu unternehmen ist, willst du nicht wahrhaben, dass eure Beziehung wirklich vorbei ist.
Nimm innerlich und äußerlich Abschied als Partner.
Verabschiede dich von deinem Partner auf der Paarebene. Bedanke dich, für alles was ihr erlebt habt. Auf der Elternebene bleibt ihr verbunden, aber ohne den anderen zu entwürdigen oder zu beschuldigen.

#2 Lasse den Schmerz, die Tränen, was du innerlich empfindest wirklich zu.

Wenn du dem anderen oder dir selber die Schuld gibst, lenkst du dich vom eigenen Schmerz ab, weil er unerträglich zu sein scheint. Doch dieser Schmerz muss raus. Lass deinen Tränen freien Lauf. Habe Mut, den Schmerz wirklich zu spüren. Je intensiver du ihn fühlst, umso schneller zieht er vorüber.

#3 Nimm den eigenen Anteil an der Trennung wahr und gestehe dir ein, dass du deinen Beitrag dazu geleistet hast.

Reflektiere: Was habe ich meinerseits falsch gemacht? Was ist mir schwer gefallen? Was hätte ich stärker beachten sollen? Was habe ich von meiner Seite an Schwierigkeiten hereingebracht? Wo bin ich an Grenzen geraten, die meinen Partner überfordert haben? Nimm deinen eigenen Anteil wahr und zu dir. Das ist ein ganz zentraler Punkt.Geht eine Beziehung auseinander, ist nicht einer alleine Schuld und der andere das Opfer. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen und dieser Teil sollte angeschaut werden. Es ist wichtig ehrlich zu sein und seinen Anteil zu sehen und zu sagen: ja, das stimmt, das ist mein Anteil. Da habe ich zu wenig in unsere Beziehung investiert. Hier war ich rücksichtslos. Dort habe ich die Bedürfnisse des Partners nicht gesehen oder geachtet, vielleicht auch meine eigenen Bedürfnisse zu sehr vernachlässigt, sie nicht in der Beziehung angesprochen oder durchgesetzt.

Seinen Anteil zu sich nehmen, ist von entscheidender Bedeutung und eine gute Basis für eine gelingende Elternbeziehung.

#4 Du musst dem anderen seinen Anteil zur Trennung verzeihen.

Wenn du Vorwürfe machst, glaubst du, du hättest einen Anspruch auf Wiedergutmachung. Dein emotionales Konto ist im Minus und jetzt soll es ausgeglichen werden.Verzeihen heißt: Du verzichtest auf diesen Anspruch.

Wenn du insgeheim glaubst, dieses oder jenes müsste gemacht werden, hegst du einen Anspruch auf Ausgleich. So einen Ausgleich wird es niemals geben. Der andere könnte dir die ganze Welt zu Füßen legen, aber die Tatsache, dass er dich verletzt hat, die besteht immer noch. Das einzige, was du tun kannst, um die Beziehung zu einem guten Ausgleich zu bringen, ist, dem anderen seine Schuld zu verzeihen. Du hältst ihm das nicht mehr vor. Du trägst ihm das nicht mehr nach. Du klagst nicht mehr an, weder innerlich noch äußerlich – vor anderen beispielsweise. Vorwürfe sind nichts anderes als Ansprüche an Wiedergutmachung. Diese Ansprüche musst du loslassen.

#5 Bändige deinen Rache-Engel und schicke ihn nach Hause.

Für deinen Rache-Engel bist du ganz allein verantwortlich. Das ist vermutlich der schwierigste und längste Teil.

Indem du deinen Rache-Engel nach Hause schickst, bereitest du ein gesundes Feld für eure neue gemeinsame Elternebene. Wenn ihr euch auf der Paarebene nicht verziehen habt, werdet ihr diese Konflikte auf die Elternebene tragen und eure Kinder dürfen das ausbaden. Vermischt die Paarebene nicht mit der Elternebene. Erkenne jeweils die Mutter bzw. den Vater im anderen an. So haben eure Kinder eine gute Chance eure Trennung gut zu meistern.

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